Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, [18. Juni 1940] (Postkarte)


[1]
|
M. L! Es ist jetzt ein bißchen mehr zu tun, als ich mit m. Kraft noch schaffen kann. Ich will aber wenigstens eine Karte schreiben. Richte es mit Deinem Kommen ganz ein, wie es zu Deinen Plänen paßt. Du weißt ja, im ganzen Juli ist noch Semester, der August ist frei. Aber wenn Du im Juli kommst, werden wir auch glücklich darüber sein. - Ein Haus hüten ohne Hilfskraft, heißt auch "mitanstehn" für das, was man nicht von Dahlem transportieren
[2]
| kann, z. B. Milch. Aber wie Du meinst.
Die reiche C.-Sendung ist eingetroffen u. sehr dankbar begrüßt worden. Morgen ist die 1000. Sitzung der Mittwochsgesellschaft, leider jenseits der Havel, sehr unbequem. Wir hatten allerhand Besuch, wie immer. Auch sind wir, weil es nun mit mir nicht mehr anders ging, je ½ Tag in Woltersdorfer Schleuse / Grünheide und in Tegel - Hermsdorf gewesen. Das "Trimester" dauert noch 6 Wochen. Der geistige Kopf gibt so etwas leider nicht her. Ich bin nicht nur müde, ich kann auch nicht mehr exact denken.
Alles andre entwickelt sich ja so schön, daß nicht mehr Furcht, sondern Mitleid ist. Aber Mitleid ist auch schon eine geheime Furcht. - Imhülsens waren heute bei uns. Er ist nun auch ein gebrochener Mann, u. der mahnenden Zeichen sonst sind viele. - Aber wir beide sind fest und so glaube ich, für Diesseits u. Jenseits gleich gut gerüstet. Innige Grüße
<li. Rand>
Dein Eduard.