Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Juni 1940 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 23. Juni 1940.
Mein innig Geliebtes!
Es ist mir jetzt beim besten Willen unmöglich, Dir einen vernünftigen Brief zu schreiben. Ich hatte gehofft, die am 18.VI geschriebene Karte doch durch etwas Besseres ersetzen zu können. Aber zur Zeit reicht die Kraft nicht. Als "unvollkommenen Ersatz" sende ich Dir zum 27. den Aachener Vortrag, der allerdings nicht ganz exakt korrigiert ist. Du kannst ihn lesen, während Du in der Badeanstalt wartest.
Der Ausflug mit der Mi. G. am 19.6. war vom schönsten Wetter begünstigt. Brüningslinden liegt sehr schön. Penck war nach 1 Jahr Pause leidlich frisch wieder dabei, ist jetzt nach Mittenwald abgefahren. Susanne, zwischen Minister Popitz und Sauerbruch placiert, kam sehr auf ihre Rechnung. In meiner Gegend wurde schon verteilt und umgesiedelt. Wir waren erst um ¾ 1 zu Hause.
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| Donnerstag nach der Akademie erledigte ich durch Notprüfung 2 Fälle, die sich recht in die Länge gezogen hatten, mein Serben und einen Luxemburger. Die Vorbereitung auf die Vorlesungen kostet ungeheuer viel Zeit und Kraft. Gestern Nachm. waren Litt und Frau 4 Stunden bei uns. Volle Übereinstimmung; nichts Neues. In der Nacht vorher hatten wir seit fast 10 Monaten zum 1. Mal Alarm. Die Bomben fielen so ungefähr in die Mitte zwischen Nicolai Hartmann, Riehls und Honigs.
Heute Vorm. habe ich mich an der Fröbelfeier der 3 Pestalozzi-Fröbelhäuser mit einer Rede von ½ Stunde beteiligt. Es war alles sehr hübsch. Hedwig Koch verbindet Grazie und Würde sehr schön. Erika Hoffmanns Buch ist da, aber im Buchhandel noch nicht zu haben. Die Veranstaltung morgen (s. Einladung) wird wieder sehr anstrengend werden. Die Werbung hat viel Schreiberei verursacht.
Der Geburtstag wird wegen der Leibnizsitzung der Akademie auf Sonntag verlegt. Es sind nur Röschen, Klara Rauhut und <li. Rand> Erika zu erwarten. Hoffentlich höre ich Gutes von Dir mit Bezug auf äußere Lage und Befinden. Innige Grüße Dein Eduard.