Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 12. Juli 1940 (Berlin/Dahlem)


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12. Juli 40 abends.
Mein innig Geliebtes!
Nur eine kurze Antwort auf Deine Fragen wegen des Termines unsres erhofften Wiedersehens. Du hast noch allerhand zu tun, aber hoffentlich nicht zu lange. Bei mir liegt es so: die Schlußvorlesung des Semesters ist am 27. Juli. Dann muß ich noch einmal zu den Heerespsychologen zurück, pro forma; für eine Woche, also vom 29. Juli bis Sonnabend 3.VIII. Es wäre aber gut, wenn Du gleich am Ende dieser Woche schon hier sein könntest. Da es sich am Sonnabend schlecht reist, würdest Du besser schon am 2.VIII. fahren, und wenn Du nicht in 1 Tage durchfahren kannst oder willst, schon am 1.VIII. Allerdings bekommst Du unterwegs noch schwerer einen Platz. Falls direkte Züge via Frankfurt oder Würzburg
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| nicht mehr gehn, richte Dich so ein, daß Du in Frankfurt - in der Sperre bleibend - mindestens 1 Stunde vor Abgang des Zuges einen Platz erobern kannst. Auf Gepäckträger ist nicht zu rechnen. Gib also den Koffer auf und habe bei Dir, was Du für die 1. Nacht brauchst. Man wird den Koffer erst am nächsten Tage holen können. Wenn ich dienstlich nicht frei bin, wird Dich Susanne abholen.
Es muß offen bleiben, wie lange wir uns dann in Dahlem aufhalten. Andre Luft ohne Rundfunk wäre uns allen gut. Bisher sind nur 2 Pläne ernstlich ins Blickfeld getreten: Samlandküste oder Marienbad (See- oder Höhnluft) Aber darin wollen wir alle uns nicht binden.
Die Geburtstagspost hat ihren Sinn wieder erfüllt: Revue über die Freunde, ob sie vorhanden sind. Alle haben sich gemeldet. Es
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| hat mich sehr gerührt, daß auch Heinz am 26.VI. geschrieben hat. Gefehlt haben nur Nieschling und - vielleicht durch Postversehn oder dgl. - Hermann. Sogar Lore, Adelheid u. Hermann waren da.
Merkst Du schon etwas vom Erfolg der Radiumbäder? Aber Du hast ja plötzlich so viel Arbeit! Überhetze Dich nur nicht. Wir hier leiden unter chronischer Müdigkeit. Ob man das noch einmal los wird? Für die "Sommerfrische" zur Beruhigung: ein Kleid, das Regen verträgt, und ein schwarzes Kleid (oder ähnlich) fürs Drinsitzen reichen in unsrem Alter absolut. Ich habe 2 "tragbare" Anzüge, nicht mehr.
In den U.-Angelegenheiten spielen wieder allerhand Schweinereien, diesmal allerdings unter den "Erwählten" selbst, die allmählich etwas merken.
Innige Grüße - auch von Susanne -
Dein Eduard.