Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. September 1940 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, Sonntag, 15.IX.40.
Mein innig Geliebtes!
Meine Gedanken haben Dich stündlich auf Deiner Reise begleitet und suchen Dich nun wieder in der Heimat, wo Du hoffentlich bald mit allem in Gang kommst.
Leider muß ich feststellen, daß sofort mit Deiner Abreise vieles besser geworden ist: keine der Nächte ist mehr gestört worden. Wohl aber bin ich heute Vormittag durch Besuch unterbrochen worden und kann nur ganz kurz schreiben, wenn Du die beiden Briefe endlich bekommen sollst. Die Deutsche Bank hat auch geschickt. Das leite ich in etwa 10 Tagen mit allen Deinen Wertpapieren weiter.
Anstelle von 3 Probevorlesungen begnügten wir uns mit einer. Dadurch habe ich viel Zeit gespart. Am Freitag habe ich das Seminar eröffnet. Gestern war die Vorlesung noch stärker besucht und sehr lebhaft. Nachm. hatten wir Besuch von dem Onkel Conrad und Frau aus Saarbrücken. Es war viel von Heidelberg
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| die Rede. Übrigens kamen wir beiden Männer nicht viel zu Worte.
Die Sonne kann sich nicht durchsetzen. Die Kälte wird immer lästiger. Im Seminar war gestern schon geheizt. Im Hause haben wir damit aufhören müssen. Eben fängt es auch wieder zu regnen an, so daß der geplante Ausflug nach der Jungfernheide fraglich wird.
Ich füge nur noch den Ausdruck tiefen Dankes für unser Zusammensein gegen die Fügung und Dich hinzu. Das war Sommer- und Sonnenersatz und leuchtet auf lange in den bevorstehenden problematischen Winter hinein.
Alle guten Wünsche von uns beiden! Mit vielen innigen Grüßen
Dein
Eduard.

[] Marquis Okubo schreibt, daß Kotsuka im Oktober wieder auf 9 Monate herkommt.