Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. September 1940 (Berlin/Dahlem)


[1]
|
Dahlem, den 24.9.40.
Mein innig Geliebtes!
Eingedenk der Tatsache, daß mir Deine Nachricht unmittelbar nach dem Pfaffengründer Ereignis sehr willkommen war, will ich Dir in Eile ein kurzes Lebenszeichen geben. Die Sache heute früh (ab ¼ 12 bis gegen [über der Zeile] nach 3) war die kräftigste, die wir bisher hier gehabt haben. Wir sind unberührt geblieben. Auf Wiedergabe von Gerüchten will ich mich nicht einlassen. Es sind sehr verschiedene Gegenden betroffen worden. Mit eigenen Augen habe ich nur 2 demolierte Häuser unmittelbar an der Stadtbahn beim Bhf. Bellevue gesehen.
Wir haben am Sonntag einen recht gelungenen und erfrischenden Tagesausflug nach Strausberg gemacht. Sonst viel Besuch, auch für die nächsten Tage.
Nicht ganz angenehm war es, daß der Militärarzt bei der Untersuchung heute fragte, ob ich nicht schon mit m. Herzen einige Schwierigkeiten gehabt
[2]
| hätte; es sei etwas verbreitert. Das entspricht ja meinem eignen Empfindungen beim Steigen.
Ich werde nicht immer schreiben, wenn wir Nachtwachen gehabt haben. Berlin ist sehr groß, und Du brauchst Dich wegen Dahlem nicht zu beunruhigen.
Viel herzliche Grüße von uns beiden!
Dein getreuester
Eduard.

[] Sage Deinen Korrespondenten, daß ich nicht in der Tabakstr. wohne.