Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 28. September 1940 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 28. Sept. 40.
Mein innig Geliebtes!
Daß weder ich noch Susanne geeignet sind, Wertpapiere für jemanden aufzuheben, dürfte durch die bisherigen Erfahrungen bewiesen sein. Nachdem ich Dir im Frühjahr den Schreck eingejagt habe, den ich noch heute beklage, war jetzt wieder ein ähnlicher Zustand hier wegen der "Meininger". Tatsache ist, daß niemand von uns hier genau wußte, wo sie waren. Nach langem Suchen ist nun klar, daß es die "Weimarer" sind, die Du jetzt bekommen hast. An der Irritierung durch die Namensänderung (denn sie sind als Meininger gekauft) sind wir allerdings schuldlos.
Damit nun unser seniles Gedächtnis uns nicht wieder einen Streich spiele, teile ich Dir mit, daß ich soeben 500 M auf Dein Konto Nr. 2433 bei der Heidelberger Bezirkssparkasse überwiesen habe. (100 M davon sind Rückerstattung) Bitte teile Du mir mit, wenn Dir der Eingang gemeldet worden ist; oder daß dies nicht geschehen ist,
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| ungefähr um den 20. Oktober. Damit genug von dem materiellen Kram.
Wir haben hier 2 ruhige Nächte gehabt, was doch ganz angenehm ist. Der letzte Alarm dauerte über 4 Stunden. Am Mittwoch kam die Schreibhilfe und war ausgesprochen wütend über die harmlose Berichterstattung bei garnicht harmlosem Sachverhalt. Von da aus kann man weiterschließen.
Viel Besuch, im einzelnen ja meist angenehm, hat mir die ganze Woche zerrissen. Morgen kommt Frau Biermann. Lenchen ist also wieder in ihrem ziemlich gefährdeten Viertel. Von dem wußte der Registrator zu erzählen, nicht nur von Wohnlauben.
Die Vorlesung ist nach wie vor von ca 330 besucht. Das Seminar krägelt noch elend. Hobohm wird sich am 5.X. verheiraten. Er könnte Gescheiteres tun.
Amerika ist ja nun aufgefordert, in den Krieg einzutreten, und Rußland versteht die Sache vielleicht ebenso. (Wir handeln erwiesenermaßen schon dementsprechend.) Im Innern Japans scheint man jetzt ein Zwangssystem I. Kl. zu begründen.
Sonst ist hier nichts Neues. Wir frieren. Die Sonne hält höchstens ½ Tag an. Der Kollege Jensen, der nach uns in Marienbad war, ist bald nach der Heimkehr gestorben und am Montag <li. Rand> bestattet worden. Viel innige Wünsche u. Grüße
Dein Eduard.