Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2./3. November 1940 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 2. November 1940.
Mein innig Geliebtes!
Heute, bzw. gestern um 21.10 war man zum ersten Mal so unhöflich, vor meiner Vorlesung zu kommen. Anscheinend hat man auch einer Vorortstrecke die Verbindung abgeschnitten; denn es fehlten zum ersten Mal wohl 30-40. Dunkel war es weder beim ersten noch beim zweiten Besuch; in einer Himmelsgegend schien man sogar extra etwas angesteckt zu haben. Nahe bei der U. Brücke zwischen hier u. Thielplatz ist ein Blindgänger der Flak gefallen.
Es war im ganzen ein anstrengender Tag, da ich um 2 schon wieder in der Tiergartenstr. sein mußte, zur Nachfeier des 80. Geburtstages von Exc. Lewald. Etwa 30 aus der alten Zeit versammelten sich zu diesem Zweck bei einem mir sonst unbekannten Geheimrat Albert, z. B.
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| Schmidt-Ott, Eckener, Schacht, Herzog Adolf Friedrich v. Mecklenburg, v. Stauß, Bumm (Expräsident des Reichsgesundheitsamtes), Frau v. Grimm (Tochter v. Posadowski), v. Zahn-Harnack (er) u.s.w. Besonders Eckener und Lewald sprachen sehr hübsch.
Meine Frau die Ilsebill wünscht sich etwas, das man um die Schultern legen kann, aber keinen Fuchs, sondern etwas "Besseres". Ich bin nicht sehr geneigt, dafür 500 oder 1000 M zu zahlen. Das tut man nur, wenn man jung heiratet. Aber vielleicht findet man etwas "per Gelegenheit", und dies wollte ich Deiner freundlichen Mitaufmerksamkeit empfohlen haben.
Es wäre natürlich reine Zufallssache.
Am Montag hat uns Nohl besucht. Am Donnerstag Flitner, morgen kommen Frankes, am Dienstag Fr. Schneider aus Köln u. so geht es fort. Am Mittwoch 5 Uhr war Mittwochsgesellschaft bei Jessen, wo
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| ich mit der mehrfach erwähnten Hauptperson sehr gut reden konnte und Popitz mir die besondere Zufriedenheit seiner Tochter mit m. Vorlesung aussprach.
Man "liegt mir an", die "Weltfrömmigkeit" durchaus drucken zu lassen. Dazu wäre manche Umformung und mancher Zusatz erforderlich. Der Verleger Klotz redet zu, ich warte noch Wenkes "weltkluge" Stimme ab.
Inzwischen habe ich schon den Filmaufsatz geschrieben und bin jetzt bei dem Hamburger Goethevortrag, der unvermutete Reize entfaltet.
Es ist 20¼. Wollen mal sehn, ob noch jemand kommt. Für heute Gute Nacht.

3.XI.
In der Nacht kam zwar Alarm. Wir haben aber nur die Entwarnung gehört. Heute, vor ¼ Stunde, kam Dein lieber Brief - also zur beabsichtigten Zeit.
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| Es tut mir leid, daß Du Dir in Dielbach einen so heftigen Katarrh geholt hast. Aber eigentlich solltest Du in dieser Jahreszeit nicht auf solche windigen Höhen gehn. - Was Du andeutest, haben wir durch die Nachbarin H. auch gehört. Es ist ganz gut, daß man immer wieder erinnert wird, mit wem wir es zu tun haben.
Das mit den Wertpapieren ist gut so. Es soll nicht alles an einer Stelle sein, war Dein eigenes Prinzip. Mit Seidel wird es nun dies Jahr wohl nichts mehr werden. Denn es ist ja jetzt höchstens 6 Stunden am Tage notdürftig hell.
Wir hatten erst Schnee und minus 2°, seit gestern +7°, Sturm u. viel Regen. Auf mein Befinden wirkt das nicht sehr gut.
Viele innige Grüßen. Wir beide wünschen Dir gute u. schnelle Besserung.
Dein
Eduard.