Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. Dezember 1940 (Heidelberg)


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Heidelberg. 29.XII.40.
Mein geliebtes Herz!
Ein Alarm hat meine Schreibabsicht vereitelt, aber wenigstens ein Zettelchen soll es doch noch werden, damit Du endlich einen Dank erhältst und zum Beginn des Jahres ein sichtbares Zeichen meiner treuen Wünsche.
Wie schön war meine stille, friedvolle Weihnachtsfeier am 24. mit deinem lieben Brief und dem Kalenderchen! Habe vielen, innigen Dank, denn du hast dieser Stunde mit deinen lieben Worten eben das gegeben, was man von ihr erhofft: Weihe und Frieden.
Im übrigen verliefen die Tage mehr prosaisch, aber doch freundlich. Bei Schoepffers nahrhaft mit einer Gans und bei Adele auch festtäglich in Essen und Stimmung. Heute war sie nun zum Kaffee bei mir
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| und das war auch ein sehr erfreuliches Beisammensein. Eine wirkliche Freude war es mir, gestern zu hören, daß Otto Kohler doch noch zum Fest bei der Familie sein konnte. Allerdings nur für 8 Tage, und am 31. muß er wieder abreisen. Da fordert er mich nun auf, dann seiner Frau etwas Gesellschaft zu leisten. So werde ich also das neue Jahr in Dielbach beginnen, aber wo auch immer: mit dem Herzen bei Dir!
Hoffentlich ist mein Kalender, der wie dein Brief am 22. abging, auch noch rechtzeitig bei Dir gewesen und hat mit seiner Symbolik zu Dir gesprochen. Und wünschen wollen wir uns, daß wir auch im kommenden Jahr die Kraft behalten zu ertragen und zu glauben, sicher zu bleiben in der Geborgenheit einer "ewigen Welt".
Grüße Susanne herzlich. Von Dielbach schreibe ich bald wieder, heute nur dies in inniger Liebe von
Deiner
Käthe.

[li. Rand] Ich bin beim zweiten großen Schnupfen dieses Winters! er will nicht enden.