Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. Januar 1941 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 7.I.41.
Mein innig Geliebtes!
Eure Postleute können mir leid tun, und einige andere Leute auch noch. Für das zweifache Porto + Couvert erlaube ich mir, 25 Pf. zu liquidieren. Die Fahrt nach Oberdielbach habe ich überhaupt mißbilligt. Wenn man schon einen Schnupfen hat, fährt man im Winter nicht in ein solches Bergnest. Vermutlich bist Du in den schlimmsten Schneefall hineingekommen. Ich wüßte sehr gern, wie es Dir geht. Seit dem Blatt vom 29.XII habe ich nichts gehört. Ist der Kerschensteiner angekommen? Abgesandt haben wir ihn Mitte Dezember. Aber wir haben Packete, die in Leipzig am 16.XII. aufgegeben waren, etwa 4-5 Tage nach Weihnachten erhalten.
Am 30.XII. war ich mit Hedwig Koch - Susanne streikte wegen schlechten Wetters - in Woltersdorfer Schleuse u. Grünheide (recht nahrhaft.) Am Vormittag regnete es, Nachm. setzte ein nasser Schnee ein. Das Vergnügen war mäßig. Gut, daß wir uns beide nicht erkältet haben.
Sonst haben wir still existiert, wie selten. Nur am Sonntag 29.XII. waren Meineckes bei uns. Seitdem kein Besuch. Am Sonntag 5. I.
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| habe ich in einem Gemeindesaal den Hamburger Vortrag wiederholt. Die Anwesenheit von 280 Leuten muß als ein großer Erfolg gedeutet werden; die innere Wirkung war auch stark. Exc. Schmidt-Ott und Frau, ein 88jähriger General waren die Spitzen des auch sonst geistig hervorragenden Publikums. Nachher haben wir mit 2 Vorstandsdamen und Frl. Siemering an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Mittag gegessen.
Die unsägliche Schreiberei hat angedauert und den Rest von Stimmung gekostet. An dem "Buch" habe ich bis jetzt nur 1 Kapitel (von 26 S.) weiterschreiben können. Offiziell beginnt heute das neue Trimester. Tatsächlich sind erst heute die Ankündigungszettel ans schwarze Brett gekommen, u. das Vorlesungsverzeichnis soll Ende der Woche erscheinen. Ich beginne am 15.I. Am gleichen Tage ist die Mittwochsgesellschaft bei mir. Das wird also eine recht anstrengende Woche. In dieser Zeit werde ich auch keine Briefeschreiben können.
Ich hoffe sehr, noch vor dem Eintreffen dieses Zusatzblattes eine Nachricht von Dir zu erhalten. Alle guten Wünsche von uns beiden!
Stets Dein
Eduard.