Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Februar 1941 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Spranger
Berlin-Dahlem
Fabeckstr. 13>

23.II.41.  früh.
Mein innig Geliebtes!
Zu Deinem Geburtstag begrüße ich Dich bei aufgehender Wintersonne herzlichst. Ich wünsche Dir, daß Dir zuteil werde, was Dir fehlt, und daß Du los werdest, was Du zuviel hast (so den bösen Husten), und daß uns beiden der Reichtum unsrer festen Gemeinsamkeit durch die äußeren Gefahren der Zeit hindurch erhalten bleibe. Eine kleine Erinnerung an Cassel ist hoffentlich schon eingetroffen. "Ältestes bewahrt mit Treue ......"
Für vieles habe ich Dir herzlich zu danken, außer für die beiden lieben Briefe vom 9.II. und 20.II. für die Brosamen, die von Susannes Geburtstagstisch abgefallen sind, und für die Äpfel. Die Zigarren stehen der Wichtigkeit wegen auf besonderem Blatt. Die Äpfel haben ein ganz besonderes Aroma.
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Auch dafür muß ich danken, daß Du für meine Vorträge Propaganda machst. Wir werden bald wieder bei der mündlichen Überlieferung angelangt sein. Vom Goetheheft der Erziehung habe ich außer den mir zustehenden 3 (!) Exemplaren 5 Hefte gekauft. Auf Sonderabzüge warte ich vergeblich, obwohl doch viele Interessenten da sind, die nicht die "Erziehung" lesen; ein unfähiger Verlag!
Sympathie der Seelen! Mein neues Oberstück wächst und ist sehr nötig, weil das alte nicht mehr prima sitzt. Stettin wird verschoben wie Jena.
Ich freue mich mit Dir, daß es Mädis Jungen besser geht. Heinz schrieb, er werde wohl nach Hellas kommen. Aber wie, wenn Bulgarien u. Türkei sich nach beiden Seiten hin unabhängig halten wollen? Durch Serbien? Lauter Rätsel.
Die schönen Stunden der Steuererklärung stehen bevor. Am 25. Werde ich besonders lebhaft bei Dir sein. Gibt es einen Kaffee? Hoffentlich behaltet Ihr milde Witterung, schon wegen Deines Hustens! Viel innige Grüße, auch von Susanne. Stets Dein Eduard.