Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. März 1941 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 11. März 1941.
Mein innig Geliebtes
Nur einen kurzen Abschlagsbrief. Ich bin ziemlich überarbeitet, mindestens über-schrieben. Dein Bild "gefällt mir im Grunde nicht übel." Ich darf es doch behalten? Das Päckchen war hier am 17.II. abgegangen. Es wird wohl 10 Tage auf dem Kleiderschrank gelegen haben. Ärgerlich ist nur, daß alle Versuche, Dir rechtzeitig etwas zu den Festtagen zu senden, an Heidelberg abprallen. Fideken ist mir auch sehr lieb. Vom Text konnte ich nur wenig lesen.
Der Vortrag in Stettin hat doch am 3. März stattgefunden. Ich brauchte erst um 16 zu fahren. Oelrich (der Schwarzwaldmensch) und Drechsler holten mich an der Bahn ab. Um 19 begann der Vortrag, der von 400 Leuten besucht war, darunter vielen Offizieren. Ich sprach nur nach Zetteln und entrollte in 1 Stunde 20 Min. ein ganzes großes Kulturbild von Japan. Das war ungemein anstrengend. Hinterher war ich noch im Kreise der dortigen Heeres
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|psychologen und weniger anderer, darunter eine Dame, die 8 Jahre in Japan gewesen war. Am nächsten Morgen ging ich ein bißchen an die Oder, fuhr mit dem Personenzug bequem zurück und war gegen 15 zu Hause.
Wochenlang habe ich schon zwischendurch an dem Vortrag "Schillers Geistesart etc." gearbeitet. Die Sache ist sehr schwer und noch keineswegs reif. Der Vortrag für Hamm müßte aber fixiert werden. Ich habe Sonntag und gestern 43 Seiten von dieser Größe hingeschrieben. So bin ich damit schlecht und recht über den Berg. Dann heute war die eine und Donnerstag ist wieder die andere Vorlesung auszuarbeiten [über der Zeile] vorzubereiten. Das wird auf die Dauer doch ein bißchen viel. Am Sonnabend nach der Vorlesung muß ich nach Hamm fahren und am Montag kann ich erst nachm. zurückkommen. Das Schillerthema ist übrigens sehr interessant und wird vermutlich noch für einen Akademievortrag verwendet werden.
Heute Mittag war mein u. Litts
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| früherer Schüler, der o. Prof. theol. Doerne aus Leipzig, bei uns; eine angenehme Begegnung. Sonntag den 2.III. besuchte uns Bärbel Conrad (Althof), ein sehr reizvolles und im Wesen angenehmes Persönchen. [re. Rand] 18 J. Leider hat sie dick geschwollene, sehr sichtbare Drüsen, die tuberkulös sein sollen. Sie muß wahrscheinlich nach Oberstdorf statt in den Arbeitsdienst, ist aber zur Ausrüstung noch einmal nach Althof zurückgefahren. Mit den 3 Nichten hier und dem Leutnantneffen ist auch immerzu Sorge.
Von der W.F. sind 5000 Exemplare in ca 7 Wochen abgesetzt und die zweiten 5000 sind schon da, ohne als 2. Aufl. gekennzeichnet zu sein. Der Briefwechsel auch mit Fernerstehenden dauert an. Besonders hübsch habe ich mich mit m. alten Kollegen Unger in Göttingen gefunden.
Wenke ist endlich Professor geworden. Er hat es redlich verdient. (ao.) Mit Hellpach bildet sich jetzt eine Art von Korrespondenz heraus. So ändern sich die Dinge.
Am Hauptmanuskript komme ich keinen Schritt weiter. Ich muß auch in den Ferien (?) erst 2 andere Arbeiten voranstellen.
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Das Telephon geht fleißig. - Morgen ist wieder Mittwochsgesellschaft, bei Pinder. Ich will doch hingehen. Denn einige "Eindrücke" sammelt man doch. Mitten in allem Dunkel ist der Scheinwerfer über Amerika sehr unheimlich.
Mein neues Gehege sitzt ausgezeichnet. Das Deinige bewährt sich hoffentlich auch.
Bainville hat Susanne in 2 Büchern mit brennendem Interesse gelesen; ich nicht. Dafür lese ich jetzt Trautmann, die Sängerbrücke (Russ. Politik 1870-1914.) Du kannst Dir ausmalen, daß in m. Kopf der richtige Salat entsteht. Halte dies auch meinem Brief zugute. Ich werde nach der Rückkehr von Hamm nicht gleich schreiben können. Hier hast Du ein Lebenszeichen mit allen guten Wünschen und sehr herzlichen Grüßen von uns beiden.
Dein
Eduard.

[] Der Mann in der Bergheimer (?) Str. will nun einen alten Anzug haben. Ich trage meine bis auf den letzten Faden.