Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Juni 1941 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 23. Juni 1941.
Mein innig Geliebtes!
Endlich kommt nun eine Auswahl von 30 Stücken aus der Weltfrömmigkeitskorrespondenz. - Heute früh erhielt ich Deinen Gruß.
Wir wissen ja nun, wie sich das lange schwankende Spiel entschieden hat, und wir wissen damit zugleich, daß wir noch lange in diesem Zustand des Krieges aller gegen alle leben werden. Was man sonst sagen möchte, würde anknüpfen an das, was wir vor 22 Monaten empfunden haben. Aber es ist nicht möglich, in die Einzelheiten zu gehen. Welche Ideen stehn denn nun gegen den Bolschewismus?
Hier ist natürlich Sorge um die jetzt ganz allein lebende, herzanfällige Schwester in Gumbinnen und auch wegen Althof. Wir sind gestern nach dem Schillervortrag im Pest. Fröbelhause nach Potsdam gefahren. Am besten wäre
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| es nach m. Auffassung, wenn die Schwester Annemarie hierher käme, noch ehe etwa ein allgemeiner Abtransport stattfindet.
Von Japan sind wir jetzt abgeschnitten, u. a. auch der Donat. Ebenso können die Chinesen nicht nach Hause.
Es ist endlich warm und an sich herrliches Wetter. Man genießt es natürlich nur halb. Ob die schwedische Sache stattfindet? Die Ostsee wird doch Kriegsgebiet. In Finnland sollen wir längst stehn.
Der Geburtstag wird auf den Sonntag verlegt, d. h. die Potsdamer werden kommen. Sonst ist ja niemand von den einstigen Besuchern da. Ich bin abgearbeitet, aber es geht lokal besser.
Nur diese wenigen Geleitzeilen und innige Grüße!
Dein
Eduard.

[li. Rand S. 1] Es hat ein Telefongespräch Jenny - Annemarie stattgefunden, das schnell beendet wurde wegen Alarm in G. Sie will dort bleiben.