Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 8. September 1941 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 8. September 41.
Mein innig Geliebtes!
Der heutige Angriff war vermutlich der schwerste, den Berlin bisher gehabt hat, obwohl auch der vor einer Woche beträchtliche Schäden hinterlassen hat.x) [li. Rand] x) In der Gegend von ehemals Schramm (Wilmersdorf) war ein ganzer Straßenkomplex von 5 Bomben betroffen. Der Alarm begann gestern um ½ 12 und dauerte bis heute um 4. Rings um die Stadt und über der Innenstadt schwirrte, rollte und dröhnte es unabläßig, auch über uns wiederholt. Einmal sah ich in der absolut mondhellen Nacht noch 3 Leuchtkugeln über der Stadt. Im Norden war ein großer Feuerschein, der bei Schluß des Alarms verschwunden war. Wir suchten in den schlimmsten Momenten immer wieder den Keller auf. Zu Deiner Beruhigung melde ich gleich, daß wir und das Haus keinen Schaden genommen haben. Weiteres wissen wir noch nicht.
Ich habe 10 Tage regelmäßig am Schilleraufsatz geschrieben und gerade 2 Stunden vor dem Alarm mit 145 Seiten im Haupttext abge
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|schlossen. Daneben hatten wir viel Besuch; den Soldaten Dr. Buttmann, [über der Zeile] Frau Bertholet, Haide zu ihrem Geburtstag mit 2 anderen weiblichen Verwandten. Sonnabend Abend kam der Vetter Susannes aus dem Oderbruch mit s. Frau überraschend. Gestern war der stellvertretende junge Landarzt Dr. Hübschmann aus Neckargemünd 7 Stunden bei uns; ein Patensohn Susannes. Da haben wir viel von Heidelberg geredet. Er ist regelmäßig in Wald-Hilsbach. Unsrerseits haben wir Mucki, Meineckes und Wachsmuth besucht.x) [li. Rand] x) und de la Chevalleries, die im August etwas abbekommen haben, nahe Oskar-Helene-Heim. Das Bild wird nun wieder vollständiger, nicht besser.
Ich kann nicht viel schreiben, da gleich Frl. v. Kuhlwein kommt und sonst viel zu tun ist. Den beiliegenden Brief mit der undeutlich gewordenen Adresse hat Susanne aus Versehen geöffnet. Verzeih. Sie dankt herzlich für ihren Brief und ich für meinen, aus dem ich mit Freude ersehen habe, daß Du gut angekommen bist und Dich wieder eingewöhnst.
Viel gute Wünsche und innige Grüße
Dein Eduard.