Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. Oktober 1941 (Berlin)


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9.X.41.
Mein innig Geliebtes!
Es ist schon wieder ein Päckchen angekommen. Um Dir zu Diensten zu sein, will ich mich auch mit dem Dextro-purr befreunden. Aber da, wo das hinlangt, da sitzen meine Leiden ja nicht, und es müßte schon von ganz anderen Seiten die Heilung versucht werden, wenn es in mir wieder hell werden sollte.
Das wohltuende Sonnenwetter, das fast 3 Wochen gedauert hat, scheint sich mit dem heutigen Tage auch empfohlen zu haben. Hoffentlich ist Deine Tour mit Frl. Seidel noch geglückt. Hast Du beim Essen in Waldhilsbach den Dr. Hübschmann getroffen (erkennbar am Auto.)? Wir haben nicht mehr viel unternommen; nur einmal waren wir noch mit Hedwig Koch in der Jungfernheide und am Tegeler See. Sonst waren oft Besuche, oder ich wollte die Arbeit nicht so lange unterbrechen, oder ich mußte der Bücher wegen in die Stadt.
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Meine Korrespondenz mit Heidelberg war recht lebhaft. Der frühere Minister Radbruch, Friesenberg 1a, schrieb der Wf. wegen an mich. Von den anderen Korrespondenten weiß ich, daß Kr. nun wirklich bei allen Stellen unten durch ist. Wer ist denn nun der repräsentative Pädagoge?
Nach Bremen bin ich vom Schles. Bhf. abgefahren, hatte in Hannover 1½ Stunden Aufenthalt und kam in der Dunkelheit an. Der Vortrag bei gut besetztem Hause tat große Wirkung und war in der Tat sehr schön (was ich in der Umgebung v. Båstad garnicht bemerkt habe.) Hinterher gemeinsames Mittagessen im alten Essighaus, wo ich vor ca 20 Jahren mit Johanna Wezel war; dann Tee beim Bruder Kippenberg; dann Butterbrot und Wein beim Schwedischen (Honorar-)Konsul Kellner, mit dem ich mich nur zu gut verständigt habe. Auch meinen früheren Gastgeber Kellner (vor 25 Jahren) sah ich wieder, Ermans
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| Schwiegersohn Ost.Dir. Schaal, zwei frühere Schülerinnen aus Leipzig, den angenehmen Bürgermeister Spitta u.s.f. Das Wetter war unbeschreiblich schön. Die alten Bauten leuchteten mit ihren roten Backsteinfronten. Dieser alte Teil der Stadt ist mit das Schönste, was wir haben, wenn auch mitten drin 3 Häuser fehlten. Am Montag ¾ 8 fuhr ich ab und war schon um ½ 2 in Dahlem. Die Liebenswürdigkeit ist eigentlich immer das Anstrengende. - Ich habe auch rednerisch in Bremen mein Bestes getan.
Gestern waren wir mittags in der Japanisch-Deutschen Gesellschaft, die dick besucht war. Auch der Botschafter war da. Heute Nachm. kommt Frau Öppinger aus Hofheim bei Frkft./M., noch persönlich unbekannt, aber beliebt durch Briefe u. Apfelsendungen. Morgen Vorm. hat sich Willy Landgraf mit Frau angemeldet, morgen Nachm. der Schwager Heß u.s.f. Eigentlich wollte ich noch 4
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| Tage vor Semesterbeginn fort. Aber wohin? "Brunnau" in Freienwalde antwortet nicht, ist also zu. Nach Wernigerode zu Frankes? Viel Fahrerei. Und schließlich ist garnicht so viel Zeit. Aber der Winter ist lang.
Der Besitzer von Tegel (?) Legationsrat v. Heinz, ist auch gefallen. Prinz Hubertus (cf. Kreuzlingen) hat sich mit einer v. Humboldt-Dacheröden verlobt.
Du siehst, ich krame schon lauter Einzelheiten aus. Der Berichtsstoff scheint also erschöpft zu sein, und der andere Stoff wäre allzu groß und schwer, um ihn auch nur zu berühren. Mit urteilsfähigen oder wissenden Leuten komme ich jetzt fast garnicht zusammen. Es ist, als ob man schon pensioniert wäre.
Also herzlichen Dank und viele gute Wünsche. Wir beide grüßen herzlichst.
Innig
Dein Eduard.

[Fuß] Wie war es in Oberdielbach? Über die Griesbachkarte habe ich mich gefreut. Technik von 1900!
[re. Rand] Abends: Der Besuch von Frau Ö. war ein beglückendes Geschenk: noch jung, unbefangen, praktisch, tief, selbständig denkend, absolut süddeutsch gesund, "rassisch" blond, fast schön, - und gleichgesinnt. Der <li. Rand> Mann ist Pharmakolog bei I.G. Farben in Höchst/Main. Sie war auf der Sozialen Frauenschule Mannheim, bei Frl. Bernays. 3 Kinder, Garten und - literarisch interessiert.