Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 30. Oktober 1941 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, 30.X.41.
Mein innig Geliebtes!
Ich nehme nur diesen kleinen Bogen, weil ich nur ¼ Stunde Zeit habe, aber etwas Wichtiges berühren muß. Zunächst meinen Glückwunsch zum Auftrag der Wandtafel und vielen Dank für die eingeschriebene Sendung von gestern. Dextropur nehme ich seit einiger Zeit regelmäßig; schwerere Ermüdungszustände seitdem nicht mehr. Das Herz vermag es nicht zu trösten. - Deine Zigäerrloenchen (aber gut) sind jetzt der einzige Zufluß dieser Art.
Ich habe sehr gearbeitet; die Korrekturen vom Schiller kamen unerwartet früh u. mußten zwischengeschoben werden, obwohl es nicht recht paßte. 70 Seiten Text + 7 Seiten Anmerkungen im Akademieformat machen keine kleine Mühe. Der Leipziger Vortrag wurde dann in 1½ Tagen hingeworfen. Jetzt bin ich beim schwersten Stück; der Gedenkrede für Petersen. Es will sich noch garnicht fügen. Die Form ist mir neu.
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Unsagbare Kämpfe und Intrigen, Zufälle und Mißgriffe spielen schon heut über diesem Grabe.
Wir haben einen Vortrag von Trautz (cf. Kyoto 1937) gehört, Besuch von Tigges gehabt u. dgl., was ich heute nicht erwähnen will. Unangemeldet war Euer Dekan bei mir. Vertraulichst: wenn sein Plan durchgeht, käme Odebrecht nach H. und Du würdest die Güte haben, ihn zu beraten, wie man von - Pankow nach H. übersiedelt. Der Dekan erzählte mir von 3 geschätzten Witwen in H.: v. Waldberg, Goldschmidt u x. Eine ganz akut an mich herangekommene Sache gibt mir Anlaß, Dich zu fragen, ob man irgendwie ahnt, welche Mächte da walten? Ich brauche diese Kunde zu einem guten Zweck, über den ich sonst nichts mitteile.
Sonnabend mittags fahren wir beide nach Leipzig. Auf dem Programm stehen bis jetzt Litt, Strümpell, Kiehm, Kippenberg, Quellemeyer, Klotz. Montag Abend wollen wir zurückkehren. Mittwoch ist die Feier für Petersen. Verzeih die Kürze und fühle - trotz frühem Schnee - die Wärme. Möge der Katarrh schon <li. Rand> fort sein!
Innigst Dein
Eduard.