Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. November 1941 (Berlin/Dahlem)


[1]
|
Dahlem, den 5.XI.41 nachm.
Mein innig Geliebtes!
Heute früh ist Dein lieber Brief, geschrieben am 1.XI., gestempelt am 3.XI. 17-18 hier angekommen und hat mich recht erschreckt. Der Katarrh hat sich also doch festgesetzt und sogar den beängstigenden Krampf wieder zur Folge gehabt. Ich habe den Eindruck, daß Du Dich vorsichtig verhalten hast; aber ganz vorsichtig zu sein, ist ja in Deiner Lage schwer. Bleibe nur möglichst lange zu Hause, unterlasse nichts, was nur der Kosten wegen unterlassen würde, und denke ja nicht an die Volkszigarren. Die Nachricht, daß es Dir wieder gut geht, ist = einer vollen Kiste Friedensware.
Der Freitag war hier ein Tag mit Katastrophenwetter. Sonnabend schneite es; in Leipzig wurde es zunächst besser, aber am Montag lag hoher nasser Schnee. Die Hinfahrt zwar zeitraubend und aufregend, bis man einen Platz bekam [über der Zeile] aber bequem, die Rückfahrt weniger angenehm; jedoch alles pünktlich laut Fahrplan.
So war auch der Aufenthalt selbst pünktlich laut Fahrplan. Sonnabend ½ 3 Herr
[2]
| Schulze
[neben der Zeile mit Pfeil auf Schulze] angenehm. = Quelle u. Meyer. Dann Kippenberg 4 Uhr im Hotel. ½ 6 - ½ 10 bei Litts. Sonntag 11 Uhr Vortrag (mit vielen alten Bekannten, auch Frau Günther, Frau Rohn). Um 2 Uhr bei Kippenberg (er tout seul) zum schlemmerhaften Mittagessen. Um ½ 6 bei Kiehms. Abends still im gemütlichen Hôtel Sedan. Montag um ½ 9 Besuch v. Hans Volkelt, um ½ 10 bei Litts, um ½ 12 bei Frau v. Strümpell (sehr wohltuend!) um ½ 1 beim theol. Dekan Doerne, um ½ 3 bei Klotz, um 4 Abfahrt. - Der Vortrag hat starkem Eindruck gemacht, obwohl er schwer ist. Susanne hat sich an den Leipziger Erinnerungen gefreut, ich an 1911gedacht. "Man steigt nicht zweimal in denselben Fluß".
Die heutige Trauerfeier ist würdig, schön und ohne Zwischenfall verlaufen. Es war nur sehr rauhes Wetter mit Schneefall. Von den ganz Alten waren anwesend: der Minister v. Sydow (wohl 87), Planck, Meinecke. - Der G.O. Beck, Diels u. a. von der Mittwochsgesellschaft. Im ganzen nur 100, so daß sich eine Atmosphäre bilden konnte für meine u. Kippenbergs Reden.
[3]
| Meine ist, wie ich glaube, bei voller Wärme ein Meisterstück der Form. Du wirst sie lesen.
Es wäre nun noch sehr viel zu berichten. Aber wir wollen einen Besuch bei Hoetzschs machen, der nur Mittwochs möglich ist. Andrerseits soll der Brief fort, damit Du meine Nähe im - hoffentlich nicht mehr Kranken= - zimmer fühlst. Nimm das also nur als einen Zwischenbrief, der Dir die innigsten Grüße und Wünsche von uns beiden bringen soll.
Dein besorgter
Eduard.