Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. Februar 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 7.II.1941.
Mein geliebtes Herz!
Heute wird es nur ein Briefzettel, denn ich möchte es noch nachher in den Kasten bringen, damit es morgen früh um 6 mit fortkommt. Ich hoffe, Du hast die Fahrt nach Dresden ohne Erkältung überstanden und auch Stettin geht gut vorüber. Es ist mir eigentlich garnicht recht, daß Du in dieser ungünstigen Jahreszeit so viel in der Welt herumfährst. Denn allenthalben spukt die Grippe. Hier sind die Schulen deswegen geschlossen und es gibt kaum einen Menschen, der sich nicht in irgendeiner Form damit abgäbe. Ich habe sie nicht, aber seit beinah 14 Tagen einen recht hartnäckigen Husten, der ziemlich tief sitzt.
Der Vorstand war also am 1. schon zum Essen bei mir und zum Kaffee kamen dann die Töchter Mathy und Gretel Franz, die Enkelin. Es war ganz gemütlich und die Damen brachten dann Aenne wieder nach Haus. Am nächsten Morgen aber fand ich das Geburtstagskind im Bett und sie hatte starkes Nasenbluten gehabt, sodaß man Frl. Dr. Clauß rief. So mußte sie den Tag im Bett bleiben und alle Besucher wurden ersucht, sich kurz zu fassen. Am nächsten Tag war sie aber wieder auf und unruhig wie immer, statt still zu liegen
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| Es geht ihr aber auch wieder ganz gut und man merkt ihr nichts mehr an, außer, daß sie ein großes Wärmebedürfnis hat. - Ich war seitdem täglich mal bei ihr, wenn auch nicht für lange. Und am Sonntag war ich wieder zur Predigt bei Pfarrer Maas, der sehr eindrucksvoll sprach. - Sonst gehen die Tage einförmig und bedeutungslos dahin. Ich sehe von meinem Fenster die Wolken im grauen Westen und höre von Heinz, daß er vielleicht das Land des Platon sehen wird. Otto Kohler ist noch immer nicht zu Haus und ich fürchte, es wird dann kaum noch lohnen. Denn dann wird er wieder zurückgerufen werden. -
Sehr oft denke ich an Susannes Mißgeschick und hoffe, daß die Schmerzen bald vorüber gingen. Hat sie nicht den Arzt gefragt, wenn es so lange dauerte? Man kann sich doch bei einem Sturz auch einen Knochen verletzen.- Das Hexenschußvergnügen kenne ich ja ausgiebig. Das wünsche ich ihr wirklich nicht. Grüße sie und sei selbst mit vielen guten Wünschen innig gegrüßt von
Deiner
Käthe.

[] Für Deine Karte läßt der Vorstand sehr danken. Ich brachte ihr die versetzte Siegessäule am Sonntag nachmittag. - Heute regnet es auf den vergletscherten Schnee, also auch Aussicht auf Glatteis.