Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. Februar 1941 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 14.II.1941.
Mein geliebtes Herz!
Mit Freude habe ich Deinen Bericht über die Dresdener Reise gelesen und ich hoffe, die Befriedigung hat Dir über die Strapaze hinweg geholfen. Viel Schlaf war das ja nicht von 12 - ½ 6! - Ist der Besuch des Kollegs weiter so lebhaft? Natürlich beflügelt Dich das, aber umso stärker setzt Du Dich ein. Doch ich kann es nicht anders wünschen, denn ohne Stimmung würde Deine Kraft noch weit mehr verbraucht. Möge es im März mit dem Reisen ebenso gut gelingen! - Mit Jena entwickelt sich immer noch nichts. Du warst ja ohnehin für den März, und Herr Prof. S. scheint auch seine Dringlichkeit verloren zu haben. - -
Es ist unerhört, daß ich neulich nicht erwähnte, wie es mich freute, vor 14 Tagen endlich das Dezemberheft zu bekommen. Ich habe es seitdem allabendlich wieder vorgenommen und freute mich vor allem des [über der Zeile] vielen Wohlbekannten und Deiner klärenden, organisch deutenden Zusammenfassung.x [li. Rand] x Das Durcheinander der Bezeichnungen für das jugendliche Leben bei Goethe hat mich von jeher gestört. Ich nahm es aber für eine damals übliche Ausdrucksweise. Wie beneidenswert ist dies Leben [über der Zeile] Goethes, das bis zuletzt ein Werdendes war. Es ist schön, daß ich durch diesen Aufsatz auch an dem Inhalt Deiner verschiedenen Reden Teil nehmen kann! - Auf welche Seite von Schiller bezieht sich denn Dein Thema in Hamm? Mir hat Schiller in seinem Urteil bisweilen etwas erschreckend Schroffes, aber er ist ja schon mit 46 Jahren gestorben, in dem Alter "männlicher Absolutheit". - - Auch die Besprechung des
[2]
| faschistischen Jahrbuches habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen, und ich denke mir, es war eine unangenehme Aufgabe, denn die Kritik mußte doch ziemlich vernichtend ausfallen. Der Mann als Romane läßt sich an der Form genügen, an der Erscheinung; wir aber sehen dahinter den Sinn, der alles beseelt. Doch ist es wohl ganz zeitgemäß, die Politik als sinngebende Kraft des Lebens zu deuten! [zwischen den Zeilen] Man muß nur recht große Epochen in Betracht ziehen - nicht nur Gegenwart. - Wann erscheinen denn eigentlich anderswo die Hefte der Erziehung? Ich bekomme sie immer erst im Laufe des folgenden Monats. - Und etwas ganz Unerhörtes erlebe ich jetzt mit dem Herrn Klotz. Schade, daß Du es ihm nicht sagen konntest! Am 22. Januar habe ich durch meinen Buchhändler (Bangel u. Schmitt, Inh. K. Wolff.) 5 Exemplare der Weltfrömmigkeit bestellt und ich habe sie noch nicht! Auch eine Reklamation blieb ohne Ergebnis. Ich bin sehr verstimmt darüber.
Da hat es recht verbessernd auf die Stimmung gewirkt, daß heute ein herrlicher Frühlingstag war. Schon am Montag abend bei Sonnenuntergang sammelten sich die unzähligen Krähen zu einer riesigen Wolke, die nach Norden abzog und am Tag darauf war milde Luft mit frühlingshaftem Erdgeruch. Heute aber schien über allem eine wundervolle warme Sonne und ich ging mit Frau Buttmi den Philosophenweg bis fast zur Stiftsmühle, auf der Landstraße zurück zum Karlstor. Es war so tröstlich, daß der Frühling wiederkommt - : "solange die Erde stehet, soll nicht aufhören Saat und Ernte -" So wird auch das höhere Leben immer von neuem zur Frucht reifen. - Ich hoffe, daß es Euch beiden gut geht und <li. Rand> grüße herzlich. Innig und treu
Deine Käthe.

[4]
|
Betreffend: Cebion, danke ich Dir sehr herzlich für Dein sorgendes Anerbieten, bin aber im Augenblick versorgt mit Dextropur, das mir immer sehr zusagt und gut bekommt. Ich hatte es noch vom vorigen Jahr und nahm es jetzt in Gebrauch, da es mir erwünscht schien. Auch habe ich noch eine Kapsel Priovit, das Vitamine B u. C enthält, also wohl ähnlich wie Cebion wirkt. So will ich
[5]
| erst mal damit "räumen". - Die bewußte Rechnung schickte ich dem vorigen flüchtigen Briefe nach und inzwischen ist hoffentlich auch das Postgut angekommen, das ein kleines Kästchen mit Prallinen für Susanne mitbringt. Mehr konnte ich leider nicht auftreiben! - Gegen den Husten nehme ich jetzt homöopathische Kügelchen auf Rat von Rösel. Ich denke, es hat jetzt seine Zeit gedauert und wird von selbst besser.
[li. Rand] Die Zähne sind fertig - Deine auch?
[Kopf S. 4] Hoffentlich war der bewußte Knochen bei Susannes <li. Rand> Sturz nicht gebrochen!?