Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. Februar 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 20.II.1941.
Mein liebstes Herz!
Gestern habe ich lebhaft aus der Ferne am Geburtstag teilgenommen. Viel "Feier" wird es wohl kaum gebracht haben, der täglichen Arbeit wegen. Heute nun schreibe ich schon, weil ich nicht möchte, daß sich die Briefe wieder kreuzen und ich doch zum nächsten Dienstag einen von Dir erwarte! Dann auch, weil ich Dir danken will für die Geldsendung, die doch wohl eigentlich erst im April fällig wäre? Aber Du meintest wohl, ich könne in Verlegenheit sein wegen der "eingreifenden Erneuerung". Doch ist es damit bei mir nicht so grausam, wie in Berlin. Rösel hat mir nur 70 M abgenommen, das ist vermutlich nur wenig über die Kosten beim Techniker. Die Arbeit aber ist erstklassig und ich kann nur hoffen, daß Du ebenso zufrieden mit Deiner Sache bist. -
Am Dienstag haben wir also die Zusammenkunft zum Lesen mal wieder bei mir gehabt, und mit großer Freude sah ich die lebhafte innere Beteiligung an Deinem Vortrag. Ich
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| finde, daß man nur bedauert, daß es schon zu Ende ist. Man möchte die einzelnen Lebensstadien noch viel mehr ausgemalt haben in ihrer inneren Notwendigkeit. Man lernt so den Rhythmus fühlen, wie Aufnehmen und Selbstgestaltung epochenweise wechseln und wie Absonderlichkeiten nur eine besonders starke Betonung typischer Eigenschaften sein können. Eltern können lernen, wie sie nicht sinnlos unterdrücken, sondern richtig lenken müssen. - Und all die Regelhaftigkeit, die möchte man auch vom Völkerleben ablesen können und möchte sie auch in der Gegenwart tröstlich erkennen. Warum fallen wir nur immer so von einem äußersten Extrem ins andere? -
Deine "Weltfrömmigkeit" schicke ich heut an Herrn Bolza, der dadurch vielleicht etwas wohltuend abgelenkt wird von seiner augenblicklich so schweren Lage. Seine Frau liegt nach mehreren Schlaganfällen hoffnungslos darnieder. - Der Vorstand ist wohl kaum mehr so recht aufnahmefähig dafür. Ich müßte ihrs vorlesen und dafür reicht meine Stimme noch nicht wieder, denn der Husten ist nicht ganz fort.
Und nun nur noch viele, viele Grüße und nochmals innigen Dank für Deine stete Fürsorge.
In stetem Gedenken
Deine Käthe.

[li. Rand] Ich sammle wieder. Wie sind die zu 18? Ich habe 20 Stück bereit.