Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. Februar 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28.II.1941.
Mein geliebtes Herz!
Der Bogen ist wirklich zu schade für den kurzen Gruß, der es heute nur werden kann. Doch Du sollst doch wenigstens den Dank haben für Eure beiden lieben Briefe und einen kleinen Bericht. Ich komme mir nämlich sehr gefeiert vor; es fing schon an am Sonntag bei Hechts und geht die ganze Woche so weiter: Montag bei Hedwig Mathy und dann Trio, Dienstag Kaffee bei mir, Donnerstag mit Frau Buttmi, heute Tee bei Schoepffers. Und alle Tage kommen Briefe und Karten. Der Vorstand konnte nicht kommen, sie fühlte sich nicht gut und ich suchte sie noch abends auf. Es ist aber nichts Besonderes, nur natürlich mit 85 Jahren. - Nun steht noch Euer Päckchen in Aussicht. Wann ging es denn ab? Ein Briefpäckchen vom "alten Knarx" kam heute und war vom 20.II. Ich dachte schon, es wäre Eures und war eigentlich enttäuscht, aber dann freute es mich doch sehr, denn er schickte eine Abschrift mit von der offiziellen Erklärung seines Sohnes Walter zum deutschblütigen Staatsbürger. Wie wird es nun mit den Geschwistern?? Von Adele bekam ich den Oberlin, von Frau Wille die Biographie einer Pianistin Grosser-Rilke, von
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| Rösel Lob des Alters, viel gute Aussprüche, gesammelt von Annemarie Meiner; vom Vorstand Benz, Goethe als Begleiter und von Frl. Seidel furchtbar schöne Gedichte von Joachim-Carl Friedrich in prätentiöser Aufmachung, es hölderlint oder morgensternt, aber mehr Friederike Kempner. - jedoch soll etwas von Pfitzner (oder wie schreibt er sich?) vertont sein. - Von der Engel-Stiftung kamen wieder die 50 M, und meine Schwester schickte 20 - also war genau für die Perlenreihe gesorgt. Aennchen entschuldigte sich sehr, daß sie es so prosaisch in bar schickte, aber mir war das doch gerade sehr recht.
Im Ganzen habe ich 16 Briefe bekommen, das ist für mich eine recht beträchtliche Zahl und dabei fehlen noch einige Vergeßliche. Na, mir ist schon bange vor dem Antworten!
Am 26. habe ich in der Stadt wieder Glück gehabt, und die gute Frau Volk angetroffen. Sie ist nämlich freigebiger als er; und da habe ich wieder ein Kistchen von der kleinen Sorte bekommen. Aber es war nun in der Tat das letzte. Außerdem habe ich noch eine Anzahl andere, also, der Raucher kann noch hoffen. Sonst ist ja dazu nicht viel Ursach, besonders seit wir hören, daß wir hier beiderseits vom Neckartal auch Flack bekommen. Wir waren doch bisher Lazarettstadt! - Nun also rasch, ehe ich diesen Zettel zur Post bringe noch viele, viele liebe Grüße und innigen Dank für alle treuen Wünsche die ich von Herzen erwidere. Mir ist das "was <li. Rand S. 2> mir fehlte" schon ersetzt, jetzt möchte ich noch, daß ich den Husten, aber weniger die <li. Rand S. 1> Haare "los würde". -
Deine Käthe.