Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. März 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 20.III.41.
Mein geliebtes Herz,
ich möchte heut nur ein paar Zeilen schreiben, um Dir so zu melden, daß hier auf der Sparkasse schon wieder Geld ankam, und Dir für diese Deine Fürsorge sehr herzlich danken. Ich verbrauche ja deswegen nicht mehr, wenn auch der Vorrat größer ist, (auf dem Buch stehen jetzt 2200 M), aber doch ist es eigentlich immer zu viel, was ich ausgebe. - Ein besonderer Luxus ist die Wochenkarte bei der Elektrischen. Ich bin eben auch sonst so viel auf den Füßen, daß ich mich in die Stadt lieber fahren lasse. - Von mehreren Seiten hörte ich von dem 5stündigen Alarm, den Ihr (vermutlich am 12.?) hattet. Ob damit wohl die Geldsendung zusammen hängt? Ich wüßte gern, ob es wieder in Eurer Nähe war, und ob Ihr etwa wieder Splitterschäden hattet? Bei uns heulte
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| die Sirene um ½ 12 und nur für ½ Stunde. Aber natürlich wußte man, daß es anderswo lebhafter zuging. Überhaupt empfindet man ja die lange Ruhezeit nur als eine Pause, ein augenblickliches Verschontwerden.
Bei uns ist eine erneute Kältewelle im Gegensatz zu Spitzbergen, wo die Temperatur ungewöhnlich hoch sein soll. Aber dabei ist täglich herrlicher Sonnenschein vom W wolkenlosen Himmel. Ich war heute mit dem Vorstand per Bergbahn auf dem Schloß. Es war gut, sie abzulenken, denn in ihrem Heim ist eine Dame gestorben, mit der sie sich ganz besonders angefreundet hatte. -
Es betrübt mich, daß andre Arbeiten Dir die Ferientage fortnehmen werden. Ich hatte mir gedacht, daß Du recht danach verlangtest, wieder zu Deinem Buch zu kommen. - Zunächst aber wünsche ich Dir ungestörte Nächte und warme, sonnige Tage. Grüße Susanne vielmals und sei selbst innig gegrüßt von
Deiner
Käthe.

[li. Rand] Sind die Cigarren angekommen? Ich habe schon wieder welche aber nun ist diese Sorte fertig.