Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. April 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 20. April 1941.
Mein liebes Herz!
Seit Tagen steht bei uns die Welt in Blüte und es ist, als wäre immerzu Sonntag gewesen. Das hat mich leichtsinnig gemacht, und ich war täglich irgendwie in schöner Natur, einmal sogar mit dem Vorstand, allerdings in bescheidenem Maße und Tempo. - Ob jetzt auch bei Euch endlich etwas sogenannte Ferien begonnen haben? Denn zunächst ist doch die Arbeit ununterbrochen weiter gegangen. Und so pausenlos sind ja auch alle sonstigen Vorgänge fortgeschritten. Man kommt nicht mehr dazwischen zum Atmen. - - -
Von Heinz hörte ich sehr lange nichts. Wie geht es mit Euren Sorgenkindern? - Adeles Enkel Wolfgang Henning hat jetzt im Erwin-Baur Institut seinen Dr. sehr gut gemacht und ist auch bereits wieder an der Front. Der Vorstand hat garkeine persönlichen Sorgen und ist daher restlos glücklich. Aber ihr Befinden läßt doch recht zu wünschen und sie fängt an, öfter darüber zu klagen, was sonst ihre Art nicht ist. -
Als Marie Rabl auf der Rückreise von Saarbrücken, wo sie zur Einsegnung ihres und Meineckes Enkelkindes
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| war, hier wieder bei Adele Station machte, kam die Nachricht, daß Hanna Virchow eine größere Operation durchmachen mußte. Bis jetzt scheint es gut zu verlaufen. Sie liegt im Lazaruskrankenhaus. Hanna ist außer Lili Scheibe die Einzige die noch aus meinem Berliner Jugendkreis lebt. -
Ist wohl inzwischen das Päckchen angekommen, das ich am 15. abschickte? Inzwischen sammle ich sachte weiter. Es ist gut, solch wohlwollende Quelle zu haben. Wie war denn die kleine Nummer? Die Preise sind ja nicht mehr klein!
Am Freitag hatte ich mit Schoepffers eine sehr hübsche Wanderung zur Strahlenburg. Es ist aber immer noch ungewöhnlich kühl, wenn man auch an sonnigen Tagen gut ohne Heizung auskommt. Sie haben eine berufstätige Nichte aus Berlin hier, die allerlei Einzelheiten zu berichten wußte, die allerdings nicht zu der sonnigen Welt um uns paßten.
Das Buch von Bainville ist je länger, je fesselnder, und man bewundert seine prophetische Einsicht. Die Boveri gibt mehr allgemeine Überblicke über Vergangenes, was aber für mich sehr nützlich zu lesen ist. - Im Übrigen bin ich ganz stumpfsinnig.
Aber ich denke Dein wie immer und habe Verlangen nach einer Woche auf der Reichenau. Sei mit Susanne herzlich gegrüßt von
Deiner
Käthe.