Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. Juni 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 13. Juni 1941.
Mein geliebtes Herz!
Nun kommt endlich das seit 14 Tagen angekündigte Päckchen. Es war immer keine Zeit zum Verpacken, oder besser gesagt: es fehlte an der Energie. Denn seit Adeles Tode war ich so viel in Anspruch genommen, daß meine eignen Dinge zuhause einfach liegen blieben. Nun ist also diese Häuslichkeit ganz zerstört. Mit Hülfe des energischen und praktischen Eingreifens von dem Sohn aus Bulgarien ist alles rasch in sinnentsprechende Ordnung gekommen, und - in alle Winde zerstreut. Ein Teil steht noch bereit zur Versteigerung, denn die Kinder im Ausland können ja nur einen illusorischen Geldwert als Anteil erhalten. Es ist doch eine schmerzliche Zerstörung, wenn der einigende Mittelpunkt nicht mehr da ist, der all den
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| leblosen Dingen einen Sinn und Seele gab. -
Die Zeichnungen für die Psychiatrische Klinik sind fertig und ich habe rechtes Verlangen nach etwas Natur. Aber die scheint in diesem Jahr nur für Stunden genießbar zu sein. Gestern morgen waren nur 7° Wärme - man denke: in Heidelberg am 12. Juni. Ich zweifle, daß die endlosen Regenwolken das übrige Deutschland verschonen und es erfüllt mit Sorge, wenn man an die Saat und das Obst denkt, das wir zur Ernährung so nötig brauchen. Diese Art Zukunftsgedanken sind das, was einen meist beschäftigt, und ebenso allerlei persönliche Nachrichten, die einem mündlich zukommen. Die Nacht auf Donnerstag brachte uns 1½ Stunden Alarm, aber die verschleierte Mondlandschaft vor meinem Fenster blieb ungestört. - Ich sehne mich nach einem Wiedersehen, denn ich fühle mich sehr verlassen. Seit einiger Zeit
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| bleiben alle Briefe aus. Auch von Heinz hörte ich sehr lange nichts. Mädi schreibt seit März zum erstenmal wieder. Sie ist mit dem Jungen bei der Schwester ihres Mannes in Waren am Müritzsee. Er ist in Polen, wartet auf Einsatz. -
Die Kämpfe in Afrika haben viel Opfer aus hiesiger Gegend gekostet. Unsre Berichte begnügen sich eben mit "Rückblicken".
Dazu gab auch der Tod des Kaisers einen Anlaß, und die Zeitung bemühte sich um "historische Gerechtigkeit." Wir aber beklagen mit ihm eine versunkene Welt.
- Nächsten Monat soll es wieder etwas bei unserm Lieferanten geben. Bekommst Du denn noch etwas in Berlin?
Nun verzeih diesen inhaltlosen Zettel und halte Dich an den braunen Gehalt, den ich mit viel Liebe für Dich sammelte. Grüße Susanne herzlich und denke mein. Immer
Deine
Käthe.

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Bei dem allmäligen Sammeln bin ich nicht ganz sicher wegen der Anzahl; ich glaube, es sind
 38 zu 24   9,12
und   40  "  12   =   4,80 
13,92 M
ich mag nicht alle nochmal umpacken, weil sie so empfindlich sind.