Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. Juni 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 20. Juni 1941.
Mein geliebtes Herz!
Zum Schreiben ist keine Zeit mehr, denn ich war wieder den ganzen Nachmittag in der Überle-Str., aber ich möchte doch den üblichen Sonntagsgruß nicht versäumen und vor allem dir danken für den lieben, großen Brief. - Geht es Dir nun wieder besser? Was war das nur mit Ohr und Hals? War es beim Sitzen im Garten zugig oder feucht gewesen? An der Tonart Deiner lieben Zeilen merke ich leider, daß Du recht angegriffen und herabgestimmt bist. Aber ich hoffe, Du sorgst für Dein Befinden, dann ist auch sonst die Widerstandskraft wieder da. Denn Du weißt ja, wie wichtig es ist
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| daß Deine Wirksamkeit nicht aufhört. Sie gehört zu den Dingen mit Seltenheitswert und ist nicht käuflich. - Den ganzen Tag habe ich mit all den zu verkaufenden Dingen zu tun - abscheulich. Der Rest soll nämlich verauktioniert werden!
Heute früh um 9 Uhr war plötzlich für eine halbe Stunde Frau Häbler da. Es geht der Familie ganz gut, aber sie wollen nun endlich nach 5 Jahren, die sie meist getrennt leben mußten, trotz des Krieges nach Tüllingen übersiedeln. Es ist begründete Aussicht, daß er die Leitung übertragen bekommt. - Rösel Hecht ist vor Pfingsten nach Dresden gefahren und nocht nicht zurück. - Am Sonntag soll ich bei Schoepffers zum Mittagessen sein, vermutlich später Spaziergang, falls es nicht zu heiß ist. Als Ausgleich für den kalten Winter ist es jatzt am Abend in meinem Zimmer 23° R. - Und ebenfalls warme Grüße an Dich und Susanne <li. Rand> von Deiner Käthe.
[] Die Hauptschule bewegt die Gemüter sehr.