Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Juni 1941 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 22. Juni 1941.
Mein geliebtes Herz!
Deine letzten Zeilen hatten mich ja schon auf den Ausbruch des neuen Gewitters vorbereitet. Hier hatte man sich allgemein von der Propaganda täuschen lassen, obgleich alle Welt von den geheimnisvollen Vorgängen im Osten wußte. Infolge dieser veränderten Lage habe ich einen Brief zurückbehalten, den ich heut meinem letzten Wisch nachschicken wollte, und der sich mit den mir so wichtigen Reiseplänen befaßte. Ob daraus überhaupt etwas werden kann? Aber das muß ich sagen: auf ein Wiedersehen zu verzichten, kann man nicht von mir verlangen.
Deine Frage nach Freudenstadt wollte ich dahin beantworten, daß der Roggen gut sein soll, aber nur eine begrenzte Zahl Gäste aufnimmt. Überhaupt ist der Schwarzwald überfüllt. Und sonst sprichst Du von Kassel, - da käme doch nur Wilhelmshöhe
[2]
| in Betracht. Alles, was Dir eine weitere Reise ersparen könnte, wäre mir entschieden lieber. Aber kann man überhaupt reisen? Wie wäre es denn mit Thüringen? z. B. Stutenhaus? Was ist denn Brilon?, das kenne ich garnicht weiter, bin nur auf der Fahrt Kassel-Aachen durchgefahren. Damals waren auch Kriegszeiten. - Empfohlen wurde mir auch Schloß Banz, aber das ist sicher nichts für die heiße Zeit, so schön und verlockend es liegt. Am liebsten ginge man heutzutage eigentlich auf den Mond. Vom Ehepaar Heinrich bekam ich beifolgende Karte. Aber dahin ist die Reise zu umständlich.
Das Aufräumen in der Überlestraße hat nun mit dem Bücherverzeichnis wohl den Abschluß gefunden. Anschließend war Dr. Georg Henning aus Mannheim bei mir zum Abendessen. Der Bruder aus Sofia ist augenblicklich in Berlin. -
Doch ich will nach einem heißen, aber schönen Tag diesen Zettel noch in den Kasten bringen. Es ist täglich Sommersonne und leichter Wind, ein ideales Wetter. -
<li. Rand S. 2> Ich wüßte gerne, wie es Dir geht. Hoffentlich wieder besser. Ich grüße Euch beide herzlich. Innig und treu
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Heute waren Kohlers in Schönbrunn zur Trauerfeier für Erwin Hilderhof, der bei Tobruk gefallen ist. Vielleicht gehe ich diese Woche mal nach Dielbach.

[3]
|
<beigelegte Karte (s.o.) von Heinrichs>
Häusern bei St. Blasien Schwarzwald
Gasthaus z. Adler. 10.6.41.
Liebes Fräulein Hadlich, In herzlichem Gedenken schicken wir Ihnen freundlichste Grüße, hoffen Sie wohlauf, vielleicht schon die <Wort unleserlich> nach Ihrer beantragten Arbeit genießend. Wir fühlen uns hier trotz des sehr wechselnden Wetters in jeder Weise wohl, haben auch <Wort unleserlich> schöne Spaziergänge nach Höhenschwand, St. Blasien u. an den Schluchsee gemacht. Die Gegend ist viel abwechslungsreicher als die Karte ahnen läßt. Alles Gute Ihre Heinrichs.