Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 11. Juli 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 11. Juli 1941.
Mein geliebtes Herz!
Es ist bei 25°R im Schatten nicht viel von mir zu erwarten. Aber ich möchte nicht immer den gewohnten Sonntagsgruß versäumen, wenn er auch eigentlich das Porto nicht wert ist. Alle meine Absichten haben sich ja überhaupt nicht verlohnt: von Kohlers kommt die Aufforderung, doch am 14. für eine Woche hinzukommen, wo ich doch ausgerechnet dann Eva Eggert, die Tochter von Heinrich hier erwarte. Am letzten Dienstag sollte Trio sein und Hedwig Mathy erwartete mich vorher zum Abendessen. Das Essen fand statt, aber statt des Trios saßen wir nur auf dem schönen Balkon am Abhang des Gais Heiligenberges bei Franzens. Am Mittwoch wollte ich mit Rösel Hecht abends nach dem Wolfsbrunnen, wo es immer schön kühl ist, statt dessen
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| zog sie vor, zum Serenadenkonzert im Schloßhof zu gehen und ich schloß mich gern an. Es war auch wirklich recht lohnend und stimmungsvoll. Die Musik im Freien klingt so ein wenig geheimnisvoll und der Hof mit den schönen Gebäuden im zunehmenden Abenddämmern wirkt entsprechend mit. Man ist der harten Gegenwart entrückt und wird von den harmonischen Eindrücken zu lieben Erinnerungen gelockt. Schade, daß wir das nicht mal zusammen haben können. Wie wäre es, wenn Marienbad nichts frei hätte, mit einem Aufenthalt von Euch im Schloßhotel? Es ist jetzt ein Schulbetrieb und für Gäste geöffnet. Die Lage ist für alle Unternehmungen günstig mit Bergbahn etc. - - Es wird ja nicht immer solch afrikanische Hitze sein. Ja, ich fürchte beinah, der Sommer verausgabt sich ehe wir unsern Teil davon haben können. Um alles nach Möglichkeit zu komplicieren, will nun auch noch Gertrud Schwarz, die früher hier studierte und bei Hermann jetzt an der
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| Schule ist, auf der Rückreise von Stubai hier etwa am 8. oder 9. August hier durchkommen. Ich habe sie gern, aber ich schrieb ihr gleich, daß ich da gerade in der Abreise sei. - - Nach der Fahrgelegenheit habe ich mich dabei noch nicht einmal erkundigt, denn ich war in dieser Woche möglichst wenig und immer nur zu Zeiten in der Stadt, wo die Büros geschlossen sind. Aber morgen muß ich mal wieder dran glauben und da werde ich mich am Bahnhof danach umtun.
Hermann wird am Sonntag 60 Jahre! Es ist mir sonderbar, daß auch die andern alt werden; mir bleiben sie eigentlich unverändert. Ich bin in Sorge, wie es wohl mit Heinz geht und an welchem Teil der Front man ihn in Gedanken suchen soll. - Und ich bin überhaupt in Sorge, denn man sieht so viele, viele Todesanzeigen in den Zeitungen. Wie soll denn immer wieder Ersatz geschafft werden?
Mehrmals hatten wir jetzt kurzen Alarm ohne irgend welche direkte Störung. Aber
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| ich weiß dann doch immer, daß irgendwo Menschen in Not sind und sorge mich. Hoffentlich erstreckt sich die nächtliche Beunruhigung nicht bis zu Euch.
Leider habe ich keine Quelle wie etwa die Mittwochsgesellschaft und bin also ganz auf meine eigne Kombinationsgabe angewiesen. Die Tatsachen aber, die ich so im täglichen Verkehr erfahren, sind nicht dazu geeignet, rosige Bilder entstehen zu lassen.
- Diesen Stimmungsbericht schreibe ich im Garten bei Buttmis, denn in meiner Wohnung war es unerträglich. Frau Buttmi saß mir auch schreibend gegenüber und nun wollen wir den Brief zur Post bringen und die Nachbarn begrüßen!
Ich wünsche Dir, daß Du Dir keine Erkältung holst, denn man ist doch beständig in feuchter Auflösung. Wann und wie soll denn die Reise nach Schweden vor sich gehen? Grüße Susanne herzlich und auch Dir innige Grüße von
Deiner Käthe.