Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 1. August 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 1. Aug. 1941.
Mein liebes Herz!
Ob Du jetzt wieder in Berlin eintriffst? Ich hoffe es, und ich hoffe, daß die Reise durch ihre Eindrücke Dir nicht nur Anstrengung, sondern auch Anregung brachte. Meine letzte Sendung vom 25. kam hoffentlich noch rechtzeitig, um Dich für die Fahrt mit Brennstoff zu versorgen und Dir die zwei mitgesandten Briefe wieder zuzustellen. - Deine lieben Zeilen vom gleichen Tage brachten mir die Trauernachricht, daß Susannes Bruder fiel. Wie schwer ist dieses Opfern, von dem kein Ende abzusehen ist. - Und was schreibst Du: der dritte Bruder, den der Krieg fordert? Ob Ihr irgend etwas Näheres über sein Ende erfuhrt?
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| Am vorigen Dienstag machte ich bei der Familie Hilderhof in Schönbrunn einen Beileidsbesuch und fand die lieben, tüchtigen Menschen in hoffnungslosem Schmerz. Der Erbe des Hofes ist bei Tobruk gefallen, und der andere Sohn ist an der Front in Rußland. Hedwig Mathy hat mich auf der schönen Wanderung begleitet, die von gutem Wetter begünstigt war. Du kennst ja den Weg durchs Finsterbachtal. Wir fanden viel Himbeeren unterwegs und besonders auf dem Rückweg an der prachtvollen Straße nach Hirschhorn. Auch sonst war der Ausflug materiell begünstigt, denn im Adler gab uns die Wirtin drei Spiegeleier jedem, und das gute Landbrot, sowie eine kühle Schorle dazu war ein feines Mittagessen. Aller
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|dings hätten wir wohl nichts bekommen, wenn ich nicht der Frau bekannt gewesen wäre, denn in der Erntezeit machen sie mit Fremden keine Umstände. Ihnen ist die Landwirtschaft die Hauptsache.
Meine Gedanken sind nun schon sehr auf die Abreise gerichtet. Es ist doch immer vielerlei zu bedenken und ich merke oft, wie kopfschwach ich geworden bin. - Damit ich es nicht nachher vergesse, will ich deshalb gleich die Bitte anfügen, daß Du den Pinder wieder mitbringst als Lektüre für mich. -
Und habe ich denn ganz vergessen, mich für die 200 M zu bedanken, die Du wieder überweisen ließest? Ich war doch der Meinung, ich hätte es getan. Jedenfalls hole ich es sehr herzlich nach
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| und werde also wirklich II. Kl. fahren, denn alle Leute erzählen von den überfüllten Zügen. Und den Koffer muß man natürlich aufgeben. Es ist nur zu hoffen, daß nicht etwa noch eines Tages unser Logis beschlagnahmt wird, wie es jetzt wiederholt geschehen ist, wobei die Mieter einfach rausgesetzt wurden. -
Wie geht es mit dem Arm von Frau Henning? Ist er gut eingerichtet?
Daß ich von Vater Welte nicht schrieb, kam daher, daß Du es schon so lieb und erschöpfend getan hattest. Jetzt denkt man aber mit Sorge an den Franzel.
Grüße Susanne sehr herzlich. Wenn alles gut geht, sehe ich Dich in 5 Tage. Möge Gott uns gnädig sein!
In treuer Liebe
Deine Käthe.