Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. Oktober 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 3. Okt. 41.
Mein liebes Herz!
Eigentlich wollte ich heut an Susanne schreiben, weil sie über Sonntag allein ist, - (d. h. wahrscheinlich in Potsdam) aber ich möchte doch gern dieses Päckchen rasch an Dich abschicken. Es beschäftigt mich, daß Du Dich so wenig wohl fühlst und darum bitte ich Dich dringend, versuche es mal mit Traubenzucker. Jeden Tag einen gehäuften Es Theelöffel - (hier sagt man Kaffeelöffel) in jede Tasse Tee. Vielleicht verfärbt sich der Tee ein wenig, vielleicht auch schmeckt er Dir anfangs fremd - bitte, laß Dich das nicht stören. Mir bekommt immer dies Mittel ganz ausgezeichnet und da wir doch sonst
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| in manchem Ähnlichkeit haben, so hoffe ich, soll es Dir auch helfen. Es ist nicht mehr beliebig viel zu kaufen, darum respektiere meinen Wunsch und weise ihn nicht hochmütig ab, wie das vorige Mal. Dies Mittel ist besser als alle künstlichen Vitamine; ich habe seit Marienbad auch wieder eine Schachtel im Gebrauch und finde es sehr angenehm.
Ich hoffe sehr, daß Du in Bremen nicht gerade einen Angriff mit erleben wirst und wünsche Dir möglichst viel Gutes für diese Reise, die mir im Grunde recht unzeitgemäß erscheint.
Viel Grüße auch für Susanne, und alles Liebe Dir von
Deiner
Käthe.

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Freitag früh.
Eben, ehe ich den Brief zur Post bringen will, kommt der Deine vom 14. - Vielen, vielen Dank! Wie freue ich mich, daß Du schon wieder schriebst, denn eigentlich hatte ich wohl ein schlechtes Gewissen wegen langen Schweigens. Aber Du merktest doch, daß ich immerfort und bei allem Dein gedenke. -
Also jetzt ist neben Frau Öppinger noch eine erfreuliche Beziehung, die Wärme und Freudigkeit gibt. Darüber bin ich sehr froh, denn das hilft, die eignen Kräfte wieder zu sammeln. Denn eigentlich dürfen wir ja die Überwindung der "Flaute" nicht von außen, sondern nur vom eignen Willen erwarten.
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| Heute ißt Hedwig Mathy bei mir zu Mittag: Gemüsesuppe mit Wiener Würstchen (je eins!) und Kartoffelpuffer mit Apfelkompott u. Preiselbeergelee. Fein - was? - Leider wird wohl aus einem späteren Spaziergang bei dem mißlichen Wetter nicht viel werden.
- Nun also, noch einmal vielen, vielen Dank für Dein liebes Schreiben, (den Brief aus Darmstadt lese ich nachher, jetzt eilts, weil ich noch ins Dorf muß.) und herzliche Grüße für Susanne und Dich von
Deiner
Käthe.