Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 16. Oktober 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 16. Okt. 1941.
Mein liebes Herz!
Ich möchte Dir schreiben, aber es ist in meinem Leben so garnichts Mitteilenswertes. Nur etwas ist mir wichtig, und das ist der Dank für Deinen lieben Brief vom 9.X. und für eine erneute Sendung zur Sparkasse. Am vorigen Sonnabend ging ich, um 100 M abzuheben und da sah ich zu meinem Erstaunen, daß das Geld [über der Zeile] dadurch nicht weniger, sondern mehr geworden war. Die Ankündigung der Sendung durch die Kasse war noch unterwegs. Also: habe vielen Dank. - - Ich war froh, zu hören, daß die Reise nach Bremen glatt und ganz erfreulich verlief. - Von meinem Abstecher nach Dielbach hat Dir der zeitlose Gruß Nachricht gegeben. Es war wie immer behaglich dort und das gute Einverständnis wohltuend. - Viel Reales ist aber dabei nicht herausgekommen, dagegen kam hinterher der bestellte Sack Kartoffeln zu Buttmis für mich, 1½ Ctr. wunderschöne trockne Ware. Ob bei Euch der Korb mit den Äpfeln eingetroffen ist? Ich schickte ihn Expreßgut am 8.X. Inzwischen sagt mir Dein Brief, daß Ihr wohl eine bessere Quelle für Obst jetzt durch Frau Öppinger habt. Aber der Winter ist lang und Äpfel sind gesund, so wird's Euch hoffentlich doch recht sein.
Ob Ihr noch irgend einem kurzen Aufenthalt
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| "fern von Madrid" machen konntet? Das Wetter war nicht so ganz zuverlässig und jetzt ist es ausgesprochen kalt. Das Barometer ist in beständiger Schwankung, aber heute steht es so günstig, daß vermutlich wieder Flieger kommen werden. Vorgestern hatten wir Alarm von ½ 1- gegen 6. Ich habe aber von 4 Uhr an wieder geschlafen. Da vorläufig unsre Gegend nicht direkt bedroht ist, wird man gleichgültiger und zieht das Bett vor. Nur ziehe ich mich immer vollständig an "für den Notfall".
Am vorigen Sonntag war Dr. Henning zum Tee bei mir. Es ist immer ganz nett mit ihm. Und am Dienstag hatte ich den Lesekranz mit Schoepffers und Heinrichs zu halten. Bis ich das nächste Mal an der Reihe bin, denke ich, wird Dein schöner Goethe-Vortrag gedruckt sein! -
Für mich las ich - etwas flüchtig - von Reinhold Schneider: Las Casas vor Karl V. Ein schauerliches Bild menschlicher Greuel, das mir Frau Buttmi zu lesen gab, ich weiß nicht recht weshalb. Vielleicht um die Unverbesserlichkeit irdischen Daseins recht deutlich zu sehen. - - Erfreulicher war der Film, den ich gestern um meiner Vorliebe für Willy Birgel willen aufsuchte: Kameraden. Es spielt 1813, Hintergrund militärische Disziplin im Sinn des Prinzen von Homburg und kategorischer Imperativ nach Kant - höchst nützlich zur Stärkung der vaterländischen Gesinnung, aber manche sympathische Scene. -
Daß Du solch tief erfreuenden Besuch hattest, ist in dieser dunklen Zeit doppelt wertvoll. Wodurch ist die Beziehung angeknüpft? Jugendpsychologie? - Seit gestern ist hier "Herbst" d. h. Weinlese. Es ist viel und gut, sogar süß geworden in den letzten Wochen. - Dagegen habe ich <li. Rand> Fachkrone nicht bekommen, nur Cigarillos. Ich nehme aber, was ich kriege. Den Dr. Hübschmann konnte ich zwischen 150-200 Menschen in Waldhilsbach nicht rausfinden. Wo mag <li. Rand S. 1> er jetzt satt werden? Der Gaul hat seinen Stall für einen Monat geschlossen. Ich grüße Dich und wünsche Dir einen guten Semesterbeginn. Wann fangt Ihr an? Von Herzen
Deine Käthe

[Fuß S. 1] Ich habe von Schoepffer's Ina Seidels's Peregrin geliehen.
[Kopf S. 2] X Und was ich Dir eigentlich hauptsächlich schreiben wollte, kommt nun zuletzt: ich habe einen Auftrag für die Augenklinik, - eine Wandtafel.