Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 1. November 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 1. Nov. 1941.
Liebstes Herz,
ich will gleich schreiben, wenn "auch nur einen kleinen Bogen". Der Katarrh ist nämlich nicht fort - "im Gegenteil". Aber ich freue mich über Deinen "kleinen Bogen" besonders, weil Du mit dem Traubenzucker zufrieden bist. Hoffentlich schadest Du Dir auf der Leipziger Reise nicht bei dem Hundewetter. Ich kann garnicht riskieren auszugehen und bin sehr dankbar, daß meine nachbarlichen Freunde mich ganz rührend versorgen. Frau Buttmi holt die Milch, Frau Heinrich alles Übrige und Frau v. Schoepffer brachte überraschend zweimal Mittagessen. Auch Rösel Hecht kam schon - Du siehst, ich werde sehr verwöhnt. Dabei ist es ja zum Glück keine richtige Krankheit, nur ein fiebriger Katarrh, den ich eigentlich ohne Umstände zu überwinden dachte. Aber schließlich blieb
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| ich doch notgedrungen ein paar Tage im Bett und auch heut ist der Husten noch stark. Ganz besonders froh bin ich, daß ich noch in letzter Stunde das Mittel gegen den Stimmritzenkrampf besorgte, denn heut mußte ich es bereits anwenden. Ich bin noch ganz zerschlagen von dem Anfall. - Frl. Dr. Clauß habe ich nicht gerufen, ich weiß ja Bescheid. Sie war für zwei der Damen, nach denen Du fragst, der rettende Engel, da sie ihre Patienten waren. Eine andre verdankt ihren Schutz der Beziehung zum Hause Wagner-Thode. Und in ähnlichen Fällen ist auch Pfarrer Maas als unermüdliche Hülfe bekannt. Näheres weiß ich nicht. Könnte ich irgendwie vermitteln? Denn ich möchte nicht, daß Du Dich exponierst und wer weiß, ob seine Post nicht überwacht wird. Hoffentlich ist die Feier am 5. nicht im Freien? - Mit der Zeichnung bin ich nicht von der Stelle gekommen. Bogen und Reißbrett engen meine Stube recht lange ein. Hoffentlich kann ich bald wieder ausgehen wegen der Volkszigarren, denn wer nicht kommt, kriegt nichts. In der Zeitung steht freilich, der Verbrauch wäre größer als je. <li. Rand S. 2> Alle Berichte über Steuer etc. waren ganz in dem Stil wie neulich die Weinernte, die ich mitschickte. Wenn irgend möglich, will ich auch nochmals Äpfel schicken.
<li. Rand S. 1>
Ich wünsche Euch gute Reise und grüße herzlich.
Wie immer
Deine Käthe.