Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 18. Dezember 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 18. Dez. 1941.
Mein liebes Herz,
Du kannst Dir eine deutliche Vorstellung davon machen, wie abgängig und verworren ich bin, wenn ich Dir erzähle, was mir soeben klar wurde. Gemerkt hast Du es gewiß schon an meinem letzten Brief, der eigentlich ins kleine Packet gesollt hat, und den ich abschickte in der Meinung, es sei derjenige, den ich noch statt des fälligen Sonntagsbriefes - schreiben wollte! Nun steht das Päckchen heute noch an der verborgenen Stelle, wo es vor der Verwechslung mit äußerlich gleichem nach Stolp gestellt war, und ich dachte, es wäre längst schon bei Euch.
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| Ich bin reichlich entsetzt, wenn ich auch hoffe, daß es noch nicht zu spät ist, um am Hl. Abend bei Euch einzutreffen. Ich war so froh, diesmal alles so rechtzeitig erledigt zu haben.
Heute nur auch noch die dankende Erwähnung, daß ich beim Abheben von 100 M. auf der Sparkasse wieder die Überraschung erlebte, daß das Konto anstatt abzunehmen, um die gleiche Summe zugenommen hatte. Da hast Du, Lieber, schon wieder geschickt; die Sparkasse hat es weiter nicht gemeldet. - Eben hat überhaupt das Geld den Lauf zu mir. Ruges schickten anstelle eines geeigneten Geschenkes 100 M für eine Reise. Auf die Rechnung in der Augenklinik habe ich 47 M zu bekommen. Von der Städt. Verwaltung
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| erhielt ich von meinem Gasverbrauch beinahe mehr zurück, als ich an Gasmarken in den Automaten gesteckt hatte - kurz, es ist ein Überfluß da. Nur - was soll man kaufen?!
Ich denke, mir eine neue Brille anzuschaffen; lasse mich am Sonnabend von Dr. Cibis in der Klinik genau untersuchen; denn ich spüre doch, daß die Augen nachlassen. Aber dagegen wird wohl überhaupt nichts zu machen sein. Ebenso wenig wie gegen den wirklich unheimlichen Haarausfall.
War Euer Schnupfen bald überwunden? Mir geht es bis auf den geistigen Defekt ganz gut. - Wir sitzen heute im dicken Nebel und
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| das Barometer steigt. So gibt es doch vielleicht noch "weiße Weihnachten"
Jetzt werde ich das Päckchen noch der Hauptpost bringen. Ein eigentlicher Weihnachtsbrief folgt noch. Möchte die Welt "im Innern" Dir Stimmung geben für das schöne Fest der Liebe.
Sei gegrüßt und grüße auch Susanne herzlich.
Deine
Käthe.