Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19. Dezember 1941 (Heidelberg)


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Heidelberg. 19. Dez. 1941.
Mein liebes Herz!
Hier kommt nun wie immer der Kalender nach und bringt die herzlichsten Weihnachtsgrüße. Erkennst Du, was die kleine Skizze darstellt? Sie stammt aus der Zeit, als wir häufig an jener Stelle waren. Es ist der Blick stromauf, wo sich der Altrhein abzweigt, dort immer weiter, weiter hinauf liegt die Reichenau. Ich möchte wohl wieder einmal hin! - Die goldene Kette ist natürlich vom Nibelungenhort; sie ist unendlich lang und reicht bis Berlin und wieder zurück.
Gestern kam Dein lieber Brief vom 16.XII. Ist es denn nun endlich vorbei mit dem Schnupfen? Es war natürlich
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| auch eine kleine Grippe. Die schwere Verschleimung spricht dafür, und vor allem das Fieber. - Möchte doch, wenn diese Zeilen zu Dir kommen all die gesellige Verpflichtung erledigt sein und Du ein paar richtige Feiertage erleben. Auch ich freue mich auf die Ruhe nach dem Sturm. Denn bei mir "reicht es" eben wirklich nicht mehr. Offenbar habe ich im Drange der vielen Päckchen doch an Dich den richtigen Brief abgeschickt, aber das Kästchen stehen lassen, und zwar ohne Brief. Ich hoffe, Du fühlst trotz allem mit wieviel Liebe es gepackt wurde und es macht Dir ein wenig Freude. Und bei den Kalenderblättern sollen recht viele mit befriedigender Arbeit und innerem Gleichgewicht sein. Verlebt ein gutes Weihnachtsfest und seid herzlich gegrüßt.
In Treue und Innigkeit
Deine
Käthe.