Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 30. Januar 1942 (Berlin/Dahlem)


[1]
|
Dahlem, den 30.I.42.
Mein innig Geliebtes!
Ich nehme nur dieses kleine Blatt; denn es kann heute Abend kein Brief mehr werden. Aber da ich die Adresse des Vorstandes um keinen Preis behalten kann, so muß ich Dir die Einlage zur freundlichen Übergabe schicken.
Wir haben hier vom 11.I. bis 28.I. strenge Kälte bis zu 20°C. gehabt, und seit vorgestern vorübergehenden Umschlag zum Tauwetter. Das war natürlich erst mit der Unbequemlichkeit verbunden, lustlos unten zu arbeiten, dann mit einer kleinen Erkältung und den Beschwerden der Umstellung auf "naßkalt." Auch sonst waren die letzten Tage unfruchtbar und inhaltlos. Meine größeren Arbeiten habe ich ganz aufgegeben und zuletzt nur bändeweise die "mitromania" Friedrichs des Großen gelesen, weil eben mal wieder die Arbeitslust "auf lange Sicht" ganz fehlte. Gestern die Akademiefeier für F. d. G. und heute die Reichsgründungsfeier der Handelshochschule, zu der ich aus freundschaftlichen Rücksichten gehen mußte, haben nutzlos Zeit gekostet. Wir haben den Fliegerneffen Dieter (Gumbinnen) im Potsdamer Lazarett besuchen wollen. Der Pechvogel (auch sonst) hat
[2]
| aber einen Scharlachkranken in die Stube bekommen und ist offiziel nicht erreichbar, nur für Jennys energische Umgehungskünste. Wir waren nach dem verfehlten Versuch dann auch bei Honigs. Der gefallene Werner war eine liebenswürdige Natur, auch etwas psychopathisch belastet (Verwandlungen!). Er war nur der Stiefsohn von Jenny, aber von den ersten Lebenstagen ihr Pflegekind. Werner war Berufsoffizier. Von seinem Ende weiß man bis jetzt nichts. Und vielleicht ist das gut.
Seit meinem letzten Brief hat sich ja nun vieles gewandelt, vermutlich doch nur im Sinne einer unabsehbaren Verlängerung. Daß die Japaner seit 7 Wochen im blitzartigen Anmarsch auf Singapur sind, muß man sich auch gegenwärtig halten. Ich eben habe die weiße Wollweste untergezogen, die ich mir 1937 in einem Warenhause in Singapur gekauft habe.
Der "Schiller" ist schon ausverkauft und wird nun gedruckt. Alles andere kommt langsam vorwärts; vermutlich fehlen nun die Setzer.
Sonst ist nichts zu berichten. Wir beide grüßen Dich herzlichst und hoffen, daß Du die kalte Zeit wie die Wetterwendung ohne Schaden bestanden hast.
Innigst Dein
Eduard.

[li. Rand] Der kleine Scholz war zu einem (seltsamen) Vortrag hier. Von Gold wie immer, aber auch wie der Prediger Salomo.