Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2./3. April 1942 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 2.April 1942.
Mein innig Geliebtes!
Daß Du an der Ernsthaftigkeit meiner Absicht, zu kommen, gezweifelt hast, ist mir sehr betrübend. Besser hättest Du wohl gesagt, daß mir das, war ich für mein innerstes Leben von Herzen ersehne, nie zu gelingen pflegt. Und so ist es tatsächlich.
Der Beweis aus den Fakten fehlt nicht: Wir waren nur 1 Tag bei gutem Wetter in Woltersdorfer Schleuse - Rüdersdorf, da kam schon am gleichen Tage die teleph. Nachricht, daß der Hilfsassistent Dr. Hobohm nun auch zum Militär eingezogen sei. Meine Anwesenheit für den Abschluß der Rechnungen war heute sehr notwendig. Eine Dame, Frl. Jung, muß nun die Nachfolge antreten.
Ein zweites Elend ist, daß ich mit der geplanten Hegelvorlesung noch ganz auf dem toten Punkt bin. Wenn wir auch nur wenige Hörer haben werden, möchte ich doch im Rahmen des Möglichen mein Bestes bieten. Aber ich beiße da immer noch auf Granit.
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Du hast nun leider wieder eine richtige Krankheit gehabt. Laß mich hoffen, daß sie auch wirklich hinter Dir liegt, trotz der Anstrengungen, die Walthers an sich erfreulicher Besuch gebracht hat. Ich würde sehr gerne ein paar Tage Entlastung haben. Aber das glückt nicht. Schon der Briefwechsel ist nicht zu bewältigen. Diese Woche wieder habe ich allein 4 Kondolenzbriefe zu schreiben. Unser lieber zarter Franzel Frommherz ist auch nicht mehr. Ein Kollege - nein zwei - haben 19 jährige Söhne zu beklagen. Es ist kaum noch mit der mitfühlenden Seele zu bewältigen.
Frl. Geppert war bei uns und viele Leute sonst. Die Auswärtigen sprachen von einem gewissen Wesen schon wie von einem toten Hund. Soweit sind wir noch nicht. Wenn man über Land geht, hört man nur Stimmen, die mit Sorge erfüllen. Darüber würde nun besser geredet. Aber es hat nicht sollen sein. Ich kann auch heute, ziemlich erschöpft, keinen richtigen Brief mehr schreiben, möchte Dich aber doch zum Osterfest herzlich grüßen. Wir haben, außer Potsdam am 2. Feiertag, nichts vor. Was magst Du unternehmen? Nur diesen kurzen Frühlingsgruß - es ist hier seit heute rechtes Aprilwetter! Sei gesund und gedenke meiner wie ich Deiner! Innigst Dein Eduard.

<li. Rand> 3.IV. Heute in der Riesenpost u. a. folgendes: Frau Kerschensteiner liegt seit 8 Wochen im Krankenhaus (Infektion des Beines von Angina her.) Klaus Wallner bekommt Unterricht bei einem Künstler u. ist sehr beglück. Gunnar Thiele hat wieder geheiratet.
<re. Rand> Neulich ist mir auf der Treppe die goldene Uhr aus der Hand gefallen. Die Kette hat sie nicht gehalten, sondern ist zerrissen. Die Uhr geht, trotz des harten Falles. Du siehst aber, wie taprig ich in allem bin.
<Kopf> Nach 8jährigem Kampf ist der psych. Lehrstuhl in Berlin mit Kroh besetzt worden. Ein fachlicher Sieg.