Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. Mai 1942 (Berlin, Postkarte)


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Montag, 4. Mai  11 Uhr vorm.  M. L!
Wir sind schon wieder da. Die Hinfahrt, die von Sonnabend 17-24 dauerte, war ohne Anstrengung und sogar mit Speisewagen. Im verdunkelten P. wurden wir zu einem nicht gerade stimmungsvollen Hôtel geleitet. Sonntag um 11 war mein Vortrag in demselben Saal, in dem ich 1936 noch für die tsch. Universität gesprochen habe. Der Raum war voll besetzt, Empfang u. Wirkung
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| sehr freundlich. Ich mußte vom Ms. abgehen und z. T. frei sprechen, weil ich die Dauer untertaxiert hatte und man 1¼ Stunden nicht überschreiten soll. Es folgte in einem alten, geschmackvollen Klubgebäude ein richtiges Festessen, an dem der Rektor teilnahm, der Petersen Schüler Trunz, Ord. in Prag, der Wiener Philos. Gehlen u. a. Von 4-8 hatten wir frei. Wir gingen bei kühler Sonne ein großes Stück am Moldauufer entlang, immer mit dem herrlichen Blick auf den Hradschin. Um 8 waren wir mit einigen Kollegen bei Ottos zusammen, die wirklich das Äußerste an Gastfreundschaft geleistet haben. Um 11 beginnt in P. die Verdunklung. Wir konnten schon um ½ 12 in den Schlafwagen u. kamen um 8 auf dem Anh. Bhf. an. Das Ganze ist aber doch etwas auf die Knochen gegangen. - Im Vortrag war auch Lore Ludwig, die einen 7 Monate alten Sohn hat. Er (Bröger oder ähnlich) fuhr auch im Schlafwagen nach Berlin. Nicht alle essen in P. so hervorragend wie wir. Ich mußte sonst an 1917 denken, wo ich am Hauptbahnhof auf deutsche Bestellung überhaupt nichts zu essen bekam. Jetzt besteht kei<li. Rand>lei Gefahr, daß man "sein Fett" wegbekäme. Die Temperatur war recht <Kopf> niedrig (zu spüren.) Herzliche Grüße Dein Ed.