Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. Mai 1942 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 21. Mai 1942.
Mein innig Geliebtes!
Einen freilich ganz kurzen Gruß zum Pfingstfest möchte ich Dir noch senden. Hoffentlich gehört Heidelberg nicht zu dem neulich erwähnten, "südwestdeutschen Gebiet". Mögest Du ein wenig festliche Gesellschaft haben und auch die Natur genießen, die bei Euch allerdings wohl schon den Frühlingszauber hinter sich hat.
Ich habe diese Woche manche Ablenkung, aber nicht gerade viel Genuß gehabt. Bei der Hauptversammlung der Wehrwissensch. Gesellschaft am Montag sprach ich ein paar ganz interessante Worte mit dem Präsidenten des Reichsgesundheitsamtes, der übrigens unser Nachbar ist. (Ernährungsfragen.) Am Dienstag vorm. kam Prof. Hönn aus Konstanz, der oft in der Schweiz ist, nachm. Cilli Oesterreich, die genau denselben sympathischen Eindruck macht wie 1932. Es wurde von vielem, aber nicht von den Eltern gesprochen. Für gestern hatten wir Karten
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| zu einem Brahmskonzert der Staatskapelle mit Riebensahm als Klaviersolisten, den wir kennen u. schätzen. Nach dem 1. Teil (Symphonie) wurde Susanne sehr schlecht. Sie fiel in Ohnmacht und mußte herausgetragen werden. Sie erholte sich dann schnell. Es war eine Verdauungssache. Aber Du kannst Dir denken, daß ich einen großen Schreck bekam (ein Auto bekam ich nicht.) Die für morgen geplante Pfingsttour nach Lehnin werde ich nun mit Sabine machen müssen, vermutlich bei schlechtem Wetter. Heute bin ich ganz kaputt nach 3stündiger Besichtigung des Berufserziehungsamtes der DAF. und 5 Stunden nachm. in der Stadt. Du siehst: Erholungen glücken bei mir nicht.
Der Rektor der Un. Padua hat mir mitgeteilt, daß mir bei einem Jubiläum am 31.V. der phil. Ehrendoktor verliehen werden soll, und mich zu der Feier eingeladen. Ich fühle mich nicht gestimmt und nicht frisch genug, hinzufahren. Andre täten's und machten sich eine Woche frei. Ich schließe, weil ich morgen um 6¼ aufstehen muß. Aber ich wollte doch am 1. Feiertag durch ein sichtbares Zeichen bei dir sein.
<li. Rand>
Herzliche Grüße von uns beiden! Dein Eduard.