Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 12. Juni 1942 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 12. Juni 1942.
Mein innig Geliebtes!
Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief vom 3. Juni, dessen ich auch im stillen treu gedacht habe, wie des 4. Juni gerade vor - 20 Jahren. Ich hoffe, daß es mit Deinen Augen wieder besser geht, und daß auch der Ausschlag von der Primel her mit Erfolg bekämpft worden ist.
In den letzten 10 Tagen mußte ich weit über meine Kräfte gehen. 800 Seiten Dissertationen, dazu der schwerste Berg im "Hegel" und am Mittwoch außer diesen 2 Hegelstunden und der Sprechstunde | abends noch ein Vortrag für den (obsoleten) Protestantenverein im Französischen Dom. Ich habe dort mal wieder von der Kanzel gesprochen, mit dem Thema: "Ein Jahr als Austauschprofessor in Japan", jedoch vorwiegend vom religiösen Geist und der Todesüberwindung der Japaner. Unter den 200 Leuten waren viele, z. T. sehr alte Bekannte. Und es ging trotz der Übermüdung ganz gut.
Besuch hatten wir von Frau Petersen (wieder bei regenlosem Sturm; eben arbeitet oben der Dachdecker.), von dem neuen Ehepaar Thiele, dem Ehepaar Kübler, früher war er in Chile als Lehrer, dann in Tokyo kennengelernt; von der Nichte
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|Brigitte
(Schildhorn) und noch einmal von Sabine und Brigitte. Einen netten Brief hatte ich vom Reichskanzler Luther (jetzt Traunstein), und schon viele hübsche Geburtstagsbriefe sind hier eingegangen. Das Dahlemer Senilitätskränzchen tagte beim Bachsänger Walther, der mit s. temperamentvollen Tochter sehr schön sang.
Ich versuche nach Deinem Rezept, mich durch Schlaf etwas zu reparieren. Am Montag soll eine 1 tägige Pause stattfinden: mit Frl. v. Kuhlwein nach Freienwalde. Das Wetter ist wieder miekrig und kühl. Aber Dahlem war in der Blüte sehr schön, und ist es noch.
Ich leide sehr unter kleinen Wunden des Gemütes. So habe ich schon wieder Pech gehabt. Weil das Herzchen noch immer unvermutet aufgeht, habe ich die kl. in Papier gewickelte liebe Sendung wie auch den Bildausschnitt noch nicht hineingetan. Nun ist das erstere von m. Schreibtisch verschwunden, wo es immer gelegen hat. Wahrscheinlich ein Opfer der Reinlichkeit. Aber es verschwindet doch sonst nichts. Ich hoffe, Du tust alles zusammen selbst hinein. Aber wann denn? Im Hinblick auf die Erzählungen von Reisenden, auch auf Köln u. das weiter zu Erwartende, wage ich nicht, Dir zuzureden.
Gestern waren wir auf dem Friedhof Bergmannstr. Der im Winter 1940/1 so halb erfrorene Efeu hat sich gut erholt. Es sah ganz ordentlich aus. Ich konnte sogar 2 Blumentöpfe erwerben. Aber sie (Astilben) werden bei der Trockenheit bald verdursten.
<re. Rand> Wegen Padua hat mir der Italienische Botschafter telegraphisch gratuliert. Sonst habe ich noch nichts weiter gehört. - Es scheint, daß die ganze Heerespsychol. auffliegt. Schlimm für Drechsler, Oelrich, Copei u. andere. Für heute nur diesen Zettel. Susanne geht es besser
<li. Rand>
Herzlichste Grüße von uns beiden.
Dein getreuester Eduard.