Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 4. November 1942 (Berlin/Dahlem)


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4. November 42.
Mein innig Geliebtes!
Nur ein Zettelchen! - Es war ein trüber, melancholischer Tag, der schon von außen drückte. Die Nachrichten von Günther Ruge sind auch ernst. Hoffentlich kommt er durch! Ich mußte in der letzten Zeit an ihn und seinen Vater denken. Denn die 8 Vorträge habe ich vielleicht (?) in den selben Räumen in der Keithstr. gehalten, in denen uns s. Z. Paul Ruge empfing. Die Nummern sind geändert. Damals war es wohl Nr. 5. - - Du fängst Deine Arbeit in der dunkelsten Jahreszeit an. Geben Deine Augen es her?
Von m. Arbeiten ist vorläufig nichts erschienen. Du bekommst schon Nachricht, wenn F. d. G herauskommt, (Akademie) und zugleich ein paar Exemplare. Vom Goethe haben ja noch nicht einmal die Korrekturen angefangen. - Bei Frau Öpp. genügt als Adresse Hofheim (Taunus.) Es war die Uhlandstr. - Die Botschaft von 6 Fl. Wein ist zwar tröstlich. Aber so etwas kann der Laie nicht verpacken. Neulich war sogar 1 Fl. von der Weinhandlung in der Kiste entzwei gegangen. Frl. Geppert hat Wein aus Steiermark angekündigt.
Der Sohn von W. Böhm ist gefallen.
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Das Ereignis der letzten Woche war Meineckes Geburtstag. Er verlief Gottlob, trotz aller Besorgnisse, schön. Vorm. waren wohl gleichzeitig 50 Leute da. Er war bei weitem nicht der Älteste. Ich begrüßte auch Hanna Virchow, die Dein Telegramm schon gelesen hatte. Aus dem Gratulationsalbum las Schüßler mein Sonett vor. Am nächsten Nachm. waren wir zum Tee im kleineren Kreise wieder da und sahen auch die vielen Geschenke. Sonntag besuchte uns Frl. Besser, die eigens zu dem Fest v. Breslau gekommen war. M. hat mir seine neueste Veröffentl. (Skizzen u. Aphorismen zur Geschichte) gewidmet.
Das Japanbuch will sich gar nicht fügen. Heute habe ich die Arbeit daran ausgesetzt, weil ich Ärger mit der Zensur bei m. Gefangenenzeitungsartikel hatte. Ich bin aber sehr deutlich geworden u. habe geschrieben: dann sollten sie das Ding ohne m. Namen bringen. - Am Sonntag habe ich auf Wunsch als Gegenstück zu Plancks "Sinn der exakten Wissenschaften" für die DAZ einen großen Artikel: "Sinn der Geistesw." geschrieben. Das war sehr schwer. Heute waren 2 Japaner da, die schon wieder einen kleinen Artikel für Asahi haben wollten. So verzettelt man sich.
Abends lese ich Fontanes "Vor dem Sturm." Eine breite, breite Sache. Aber es ist, als ob man abends immer in bekannte Gesellschaft ginge. Hingegen war W. v. Scholz schauerlich. Ich muß so viel aus Höflichkeit lesen. Heute Schluß!
<li. Rand> Sonnabend 31.X. war Wenke hier, sehr munter. Er hatte an einem Philosophenlager <re. Rand> in Seefeld/Tirol, teilgenommen - zum Lachen, mehr zum Weinen.