Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 6. Februar 1942 (Heidelberg)


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Heidelberg. 6.II.42.
Mein liebes Herz!
Das ist ja eine sehr erstaunliche, aber für mich recht erfreuliche Tatsache, daß Du die Adresse vom Vorstand einfach nicht behalten kannst. So habe ich doch ganz unvermutet ein Briefchen von Dir bekommen! Ich werde mich also hüten, Dir die Anschrift nochmals zu verraten. - Aber danken will ich Dir für Dein Schreiben und Dir erzählen, daß wir den 86. Geburtstag ganz hübsch gefeiert haben. Zweimal bin ich trotz Frost und Schnee in der Stadt gewesen; erst vormittags zur Gratulation, und nachmittags zum Kaffee, zu dem sie ohne mein Wissen Frau Wille und Frau Jannasch eingeladen hatte. Ich hatte auch Frl. Mathy veranlaßt zu kommen, sodaß wir zu fünf um den runden Tisch saßen; wozu später noch unerwartet die älteste der Winterschen Töchter, Lotte Krönig, kam. Da zwei Schwerhörige dabei waren und schließlich alle redeten, kannst Du Dir den Effekt denken. Ich war erschöpft. Aber der Vorstand war höchst vergnügt.
Bei uns war es wohl kaum weniger kalt, als bei Euch, man spricht von -20°. Und auf meinem Blumenbrett liegt der Schnee nach gelegentlichem Abtauen etwas über 17 cm, gegen 70-80 cm auf dem Katzenbuckel. Ich schicke Dir den Brief von Trautel Kohler mit. Es ist ganz
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| unfaßlich, wenn man den Zustand damals gesehen hat. Ob es eine wirklich Besserung ist oder nur ein Stillstand? Die Malerei soll das Spielzeug sein, das ich ihr zur Unterhaltung schickte: eine Leiter, an der [über der Zeile] ein bemalter Klotz - der "Klettermaxe" herunterturnt. Die Kinder haben immer viel Spaß damit.
Mädi ist jetzt in Braunschweig bei ihrer Schwägerin, wo alles krank, z. T. schwer krank ist. Sie hat ihren Jungen bei den Großeltern gelassen. Hoffentlich bleibt sie selbst gesund. Wenn ich ihre Karte richtig verstehe, hat sie dem einen Kind von sich eine Blutübertragung machen lassen. - - Eine hiesige Bekannte ist in Freudenstadt, Villa u. Pension Teuchelwald für 6,50 M sehr zufrieden. Rösel ging für ein etwas verlängertes Wochenende auf den Dobel. Ob sie wieder herunter kam? Sie ist ja gut zu Fuß. Denn die Post wird dort ebenso wenig fahren wie hier und in Dielbach.
Von der Wahrsagerschen bekam ich eine Rezension Deines Schillervortrags zugeschickt, an sich wohl nicht schlecht, aber unter der Devise: "Erziehung durch Schönheit." gez. Dr. G. F.??
Nachdem ich mich an der Urwüchsigkeit der Briefe der Frau Rat erfreut habe, lese ich jetzt die Biographie der leidenschaftlichen Margarethe v. Wrangell. - Und gestern hat mich Frl. Mathy veranlaßt, mal wieder ins Kino zu gehen; ein Stück Leben im Geiste der Gegenwart, es heißt "Menschen im Sturm" und zeigt Deutschenverfolgung bei Kriegsbeginn in Serbien. Aber man sollte eigentlich besser etwas Anderes sehen, wenn auch der Film an sich sehr gut ist. - - Nun nimm vorlieb mit diesem Zettel und sei innig gegrüßt. Hoffentlich geht <li. Rand> es Euch trotz aller Kälte noch gut und ihr habt noch Heizung. Ich bin jetzt an schwache Temperaturen gewöhnt, nur muß ich seit einigen Tagen Ohrenschmerzen mit Aspirin bekämpfen. Aber es ist nicht schlimm. Gute Wünsche und viele Grüße, auch für Susanne, von Deiner Käthe.