Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. März 1942 (Heidelberg)


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<Brief kaum leserlich, weil im Bett geschrieben - Korrektur nur bedingt möglich!>
Heidelberg. 12. März 1942.
Mein geliebtes Herz!
Eigentlich sollte ja heute ein Gruß von mir bei Dir sein, und Du konntest auch Dank und Antwort auf all Deine lieben Zusendungen erwarten, aber der Mensch denkt und - die Grippe lenkt! Denn ich liege mal wieder mit ziemlich hohen Fieber im Bett und bin garnicht schreibelustig. Sehr krank bin ich nicht, denn ich habe einen durchaus normalen Hunger, aber einen enormen Katarrh in Nase, Hals und Bronchien. Eine Nacht war schlimm mit Kopfweh und ohne jeden Schlaf, dafür habe ich aber auch diese Nacht beinah durchgeschlafen und den Tag über so geduselt. - Die gute Frau Buttmi versorgt mich und so habe ich es so bequem, wie es ein einzeln wohnender Mensch im Krankheitsfalll eben haben kann.
Natürlich hatte ich mich wieder eine Zeitlang mit der Sache herumgeschlagen, ehe ich nachgab. - Ich hatte nämlich Frau Jannasch zu besuchen, die mit Ischias zu Bett lag und wollte sie nicht im Stich lassen. Aber da sie ohnehin die bekannte Frau Kühn zur täglichen Bedienung hat, ist sie ja darin schon besser dran als ich. -
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Doch genug von dem Lamento! Bis Du diese Zeilen hast, gehe ich wahrscheinlich schon wieder aus. Freilich, ein Kammermusikkonzert bei Gretel Franz, auf das ich mich sehr freute, werde ich am Sonntag vormittag nicht besuchen können. - Du kannst Dir denken, daß mir Dein lieber Brief und die Drucksachen beide recht als Heilmittel kamen. Deine Beschreibung des Mißbefindens paßt so genau auf meinen eigenen Zustand, mit den Schmerzen in Luftröhre u. Kehlkopf, einer Schwäche, die an beginnende Ohnmacht erinnerte u.s.w. sodaß ich beinah versucht bin, die Volkszigarren für unschuldig zu halten. Aber selbstverständlich werde ich streben, bessere zu bekommen. - Diese Zustände begannen schon am vorigen Donnerstag, also heut vor acht Tagen und ich halte sie für Infektion durch eine allgemein verbreitete Grippe, die man eben aufnimmt, weil man keine Abwehrkräfte hat. -
Anfangs las ich noch allerlei; so im Bodenseebuch über den Rheinfall, über die Theorie, daß die Pfahlbauten nicht Zuflucht für Urwaldbewohner waren, sondern Unterkunftstationen für Händler, an alten Verkehrsstraßen. Dann beschäftigte ich mich mit dem Buch von Haller, das aber kein anziehendes Bild von unsrer Vergangenheit gibt - man kommt zu dem Resultat, daß man die geringe Achtung versteht, die wir im Ausland genießen. - Aber der Bogen ist zu Ende und es sollen nur noch viele, viele herzliche Grüße drauf, und die Bitte, mit Deinem Katarrh <Kopf> nicht leichtsinnig zu sein. Hoffentlich meldest Du mir bald, daß er vorbei ist. Mit innigen Wünschen gedenke ich Dein <li. Rand> und Deiner Arbeit. Deine Käthe.