Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. März 1942 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22.III.42.
Mein liebes Herz!
Mit Recht wirst Du einen Brief von mir erwartet haben, aber eigentlich bin ich erst seit zwei Tagen wieder leidlich normal. Es war doch wieder eine richtige Grippe und die erledigt man nicht unter 14 Tagen. Ich will nur hoffen, daß es bei Dir nur ein regulärer Schnupfen war, denn sonst hätte ich ernste Sorge, daß Du dabei die Vorlesungen zu Ende führtest und heute voraussichtlich in Hamm bist. Denn man kann dann solche Sache recht verschleppen.
Recht lieb und tröstlich in meiner Krankeneinsamkeit war mir Susannes Brief, ebenso wie Susanne Buttmi mich täglich besuchte und mir Einkäufe machte. Aber enttäuschend war es, aus Deinem und aus Susannes Brief zu merken, daß Dich Dein großmütiger Entschluß, mich zu besuchen, im Stillen zu reuen scheint. Wie
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| sich die Sache richtig und wohltuend einrichten ließe, ist allerdings schwer zu sagen. Denn ich denke mit Sorge an die Möglichkeit einer Wiederholung der Wiesbadener Erfahrungen. Mir persönlich wäre es ja das Liebste, es ließe sich hier in Heidelberg einrichten. Es ist so viel, was wir hier noch nicht zusammen besuchten, und so viel zu wiederholen. Außerdem ist es mir ein Vorzug, wenn man doch eine eigne Häuslichkeit als Zuflucht haben kann. Wenn Du sogar an Baden-Baden dachtest, dann kann die Reise ja kein Hinderungsgrund sein. In Baden ist mir übrigens eine (Pension) Parkhaus Zink
Fremdenheim:     Fremersbergstr. 35/37

sehr empfohlen. -
Schwierigkeit dagegen scheint mir, daß ich garkeine Reisemarken habe. Da man nur umgetauscht bekommt, wenn man die Fahrkarte vorzeigt, so mußte ich natürlich verbrauchen, was jeweils fällig war. Susanne wird Dir das erklären, denn
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| jedenfalls ist dies nicht Dein Ressort.
Bei uns sind über Nacht, sowie der Schnee fort war, die Schneeglöckchen aufgeblüht. Wie sehr freut man sich an jedem Sonnenstrahl und die Luft hat, trotzdem es nachts noch oft um den Gefrierpunkt schwankt, schon durchaus Frühlingscharakter.
Durch irgend einen Zufall kam ich darauf, in meiner Gefangenschaft Lienhard und Gertrud wieder zu lesen, und wenn es mir auch diesmal wieder stellenweise unerträglich breit erschien, so habe ich doch mehr als dazumal "seines Geistes einen Hauch verspürt." - Leider sind auch meine Augen etwas in Mitleidenschaft gezogen, sodaß mir Lesen und Schreiben vielfach nicht angenehm war. - Auch mit den Epochen der deutschen Geschichte von Haller habe ich mich befaßt, und einen recht deprimierenden Eindruck davon. Danach sind wir durch Verfassung und Anlage machtpolitisch ganz
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| unfähig und nur durch besonderes Glück manchmal begünstigt gewesen. Eine Besserung aber glaubt er sei angebrochen. Wenn ich nur nicht dabei an Dein Wort denken müßte, vom "zu viel."!
Du schriebst einmal von einer Fortsetzung der W.Fr. - ist das im Gange? Mir wird erzählt von einem Artikel von dir im Reich. Wann war das? -
Immer und immer habe ich vergessen, Dir zu schreiben, daß ich mit den Weinhändlern absolut keinen Erfolg hatte, wie ich auch vergeblich versuchte für den Vorstand Hausschuh und für mich eine Einkaufstasche zu besorgen. - Im Cigarrenladen habe ich diesmal 5 schlanke Cigarren für 1,50 M. Ob sie gut sind? Ich schicke die ganze Ausbeute der letzten Zeit morgen oder übermorgen per Päckchen ab.
Du merkst, mein liebes Herz, daß ich noch recht lahm bin. Darum für heute nur dies Unzulängliche und viele, viele liebe Grüße. Bleibt gesund und teilt mir bald mit, was für Pläne beschlossen werden.
Immer
Deine Käthe.