Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 26. Mai 1942 (Heidelberg)


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Heidelberg. 26. Mai 1942.
Mein geliebtes Herz!
Das war schön, von Dir genau zum Pfingstsonntag einen Gruß zu bekommen! Habe Dank. Das war meine Feier, denn im übrigen habe ich mich auf den Besuch der Kirche beschränkt, und das war noch dazu diesmal eine Niete. Aber schöne Blumen schmücken mein Zimmer, vor allem dunkelrote Pfingstrosen, die immer daran erinnern, daß mein Vater meist solch feste Knospe aus einem Bauerngarten mitbachte, die sich dann zu solch üppiger Pracht entfaltete. Bei mir haben die lieben Freunde dafür gesorgt; Rösel Hecht und Schoepffers, in deren Gärten es jetzt voller Blüten ist. Auch eine sonderbare Rose ist dabei, die Goethe jedenfalls interessiert hätte, denn sie ist offenbar nicht mit den Stufen der Entwicklung zurecht gekommen und hat überhaupt keinen Kelch, statt dessen einen Kranz
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| abnormer grüner Blätter und darin eine rote Blüte, aber ohne Staubgefäße und Stempel. - Erschreckt hat mich in Deinem Brief die Nachricht von Susannes Ohnmachtsanfall. Wie kann man von Verdauungsstörung denn ohnmächtig werden? Hatte sie ein starkes Mittel eingenommen? Und gerade im Konzert muß ihr das passieren, wo Ihr doch so selten etwas Derartiges zusammen unternehmt!
Ob zur Pfingsttour bei Euch das Wetter einladender war? Hier war es kalt und regnerisch; dagegen am 2. Feiertag sonnig. Doch da blieb ich mit Genuß zu Hause, war nur gegen Abend beim Vorstand. Ich schrieb endlich mal wieder an Hermann und einen Geburtstagsbrief an Mädi. Sie wird nun auch schon 30 Jahre. - Der Autor, von dem ich Dir neulich schrieb - oder erwähnte ich es nicht und habe nur in Gedanken Dir davon berichtet? - heißt nicht Gulbrandson, sondern Gunnarson. Diese "7 Tage Finsternis", die Frau Buttmi so gefallen, handeln
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| eigentlich vom Geheimnisvollen, Okkulten. Und nun fällt mir ein, daß Frau Buttmi mir auch zu Weihnachten etwas Derartiges schenkte, von August Winnig: "Das Unbekannte". Sie hat also offenbar eine Vorliebe für diese Dinge und ist doch selbst eine so nüchterne, rasche und energische Frau, die garnichts Mystisches an sich hat. -
Daß Du nicht nach Padua gehst, bedaure ich eigentlich. Ich verstehe es aus Deinem Befinden und der allgemeinen Stimmung heraus, aber es wäre doch vielleicht interessant gewesen. Sehr freundlich gesonnen sind uns ja durchschnittlich die Italiener nicht, umso gewichtiger ist diese Deine Ehrung. Vielleicht wäre Dir auch dort etwas hinderlich, nicht perfekt italienisch zu verstehen!
Hast Du das Päckchen bekommen? Es ging am 19. ab. - Dankbar wäre ich, wenn Susanne mal wieder Kistchen zurückschicken würde. Verpackung in Holz ist doch die beste. - Und was sagtest Du zu den kleinen Bildern für das silberne Herzchen? "Einst u. Jetzt" kann
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| man hinten draufschreiben. Ist Deine Uhrkette repariert? - - Ich habe eben die Anlage zu ähnlichen Mißgeschicken übernommen. Abgesehen davon, daß ich selber ein paarmal tüchtig hinfiel, habe ich gestern 2 mir liebe Gegenstände kaput gemacht: ein zierliches Blumenglas und einen sehr hübschen Milchtopf. Es gab ja im Lauf der Jahre selten Scherben bei mir, aber nun gleich kräftig.
Demnächst wird es hier recht einsam werden. Am Sonnabend reisen Heinrichs für 3-4 Wochen nach Friedenweiler, und am Dienstag Schoepffers ebenfalls. - Und seit heute ist laut ärztlichem Gutachten Gunhild Buttmi scharlachverdächtig. Gestern habe ich sie noch im Krankenzimmer besucht, da war es nur Halsweh, aber jetzt soll sie etwas Ausschlag haben. Wenn es sich als richtig erweist, dann gibt es 6 Wochen Absperrung!
Und ob ich selbst verreise? Wer weiß, wann es bei Ruges paßt! Ich sage auch, wie Du damals: ich nehme es, wie Gott es schickt!
Und für heute nimm Du es, wie es gemeint ist: von ganzem Herzen. Und grüße auch Susanne.
Immer
Deine Käthe.