Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. Oktober 1942 (Heidelberg)


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Heidelberg. 8. Okt. 1942
Mein liebes Herz,
ich wollte Dir heute einen längeren Brief schreiben, aber es geht nicht mehr, da ich im Begriff bin, nach Dielbach zu fahren und ich will doch mit dem Absenden der Japanbriefe nicht länger zögern. Erst wollte ich abschreiben, aber als ich anfing zu lesen, schien es mir, als solltest Du doch lieber selbst den frischen Eindruck des damals Geschriebenen wieder haben und ich beschloß die Briefe Dir - leihweise - zu schicken. Ich habe sie jetzt mit Spannung wieder gelesen und stehe ganz unter dem Eindruck der ungeheuren Leistung, die Du dort unter so schwierigen Umständen eingesetzt hast. -
Was ich sonst noch zu schreiben habe, folgt hoffentlich von Dielbach, wo ich bis Montag zu bleiben gedenke. Das Wetter ist noch herrlich, aber ich hatte Arbeit in der Psychiatrischen Klinik,
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| die meine ganze Freizeit in Anspruch nahm. -
"Freizeit", d. h. was eben neben Einholen und Haushalt übrig ist. - Am Sonnabend war ich noch mit Hedwig Mathy in Schönbrunn, und wir bekamen bei Hilderhofs Äpfel, die ich eigentlich gern an Euch weitergeschickt hätte, wenn man mir was zum Verpacken hätte. Es sind ja nur einige Pfund! -
Die Arbeit in der Klinik ist Zellzeichnung am Mikroskop, der betreffende Arzt, Prof. Zucker ist angenehm im Umgang, also freut michs, zu tun zu haben. Zum Glück stört die kurze Unterbrechung nicht, da die Sache nicht eilt.
Wichtiges ist nicht zu melden. Allerlei Angenehmes und Unangenehmes passiert ja immer. Eben ist die Sorge, ob Gunhild Buttmi, die kürzlich Scharlach hatte, wohl jetzt dabei ist Diphterie zu bekommen? Auf der Sparkasse holte ich 100 M und bemerkte dabei sehr dankbar Deine Einzahlung. Melden tun sie nichts mehr; es wird einfach gebucht.
Für heute verzeih die Kürze, ich bin etwas gehetzt, denn mir geht alles so langsam von der Hand und außerdem ist alles auch objektiv erschwert.
<li. Rand>
Ich grüße Euch beide herzlich und wünsche Euch noch schöne Herbsttage im Freien.

<li. Rand, S. 1>
Immer in liebendem Gedenken
Deine Käthe.