Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Januar 1943 (Berlin/Dahlem)


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<sehr schlechter scan, daher nur bedingt korrekturgelesen>
Dahlem, den 11.I.43
Mein innig Geliebtes!
In diesem Jahr habe ich noch garnichts von Dir gehört. Bei Deinem lieben Brief vom 27.XII. hatte ich leider den Eindruck, "daß nicht viel mit Dir los wäre." Darin besteht mit uns die schönste Harmonie. - Sollte bei v. Schöpfers etwas nicht ganz einwandfrei gewesen sein; Krabbensalat? Wurst? Büchsensache? Nun, hoffentlich ist das vorbei, und hoffentlich bist Du nicht in Dielbach gewesen. Denn das waren gerade die schlechtesten Tage.
Bei uns hat Susanne ihren Keuchhusten fortgesetzt. Seit dem 29.XII. hat sie in Abständen von 2 Tagen 3 Spritzen bekommen. Sie haben die Erscheinungen erleichert, aber wenn mit einer Dauer von 6 Wochen zu rechnen ist, dann haben wir noch 17 Tage vor uns. Die Anstrengung ist das Schlimmste.
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Die Mittwochsgesellschaft am 6.I. hat also ohne Susanne stattfinden müssen. Wir waren nur 10 beim Essen. Penck u. Oncken geht es schlecht. Der Vortrag (Schicksal des Christentums in der modernen Welt) fand Interesse und die Stimmung war recht gut. Dafür sorgt schon Sauerbruch. Mein Weinkeller ist nun von guten Sachen befreit.
Am 7.I. habe ich normal gelebt, war in der Akademie etc. Nachts bekam ich einen Schüttelfrost, sehr angreifende Träume. Morgens nur 37,6. Es sah nach einer Grippe aus, entwickelte sich aber im Lauf des Tages sehr eindeutig zu einem recht schmerzhaften Blasenkatarrh mit Blutabgang. Natürlich mußte das Seminar u. die Sonnabendvorlesung ausfallen. Am Sonnabend kam Kurzrock u. ordnete die Mittel an, die die Sache schnell gebessert haben.
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| Ich bin heut ohne Fieber und werde wohl morgen aufstehen. Die Schmerzen sind auch schon passabel.
Im Bett liest man mehr als draußen: Lenacker habe ich nun den 2. Teil mit Wohlgefallen (aber nicht mit mehr) gelesen. Vorher "Jürg Jenatsch", Schuß v. d. Kanzel u. a.
Die Ferien haben mich doch durch die unsagbaren (noch immer nicht bewältigten) Schreibverpflichtungen recht heruntergebracht. Es war eigentlich garnichts Erhebendes. Am 28.XII. war ich mit H. Koch bei scharfer Luft in Beelitz, am 30. war Meinecke bei mir, am 31. war ich bei Bork (u. Dr. Prang) zum Kaffee. Am 1. besuchten uns Frankes, am Nachm. Sabine, die ihr Studium aufgibt und ins PFH geht. Am 5.I. war ich bei Tigges.¹) [li. Rand] x) 3.I. bei starkem Schnee bei Günther (Prag.)
Gelesen habe ich nur 1 mal in diesem Jahr
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| bei vollstem Hause.
Die Entwicklung bei dem jungen Hecht möchte man auf den Anteil des Vaters zurückführen. Natürlich hat der Krieg die Erscheinungen verschärft.
Ich habe manchen interessanten Brief über F. d. G. Die Reaktion ist sehr verschieden. Eigentlich müßte ich Dir wieder einmal eine Kollektion senden. Voraus ist "Vor dem Sturm abgegangen." Die "Bienen" brauche ich leider im Semester.
Ein Besuch v. Emmi Steinbrecher käme nur Sonntags in Frage. Man muß ihr dann die Fahrt (ca 5,00 M III) erstatten u. wohl mittags mit ihr irgendwo essen. Ich müßte erst wissen, ob dir jetzt dafür kräftig genug zu Mute ist. Überhaupt ist Nachricht überfällig. Könnte sie gut sein!! Von <li. Rand> beiden Patienten hier herzliche Wünsche u. Grüße Dein Eduard.
[re. Rand S. 2] E. Frommherz hat geschrieben u. Antwort erhalten. Flesch hat was geschickt.