Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. Februar 1943 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 6. Februar 1943
Mein innig Geliebtes!
Seit gestern stehe ich vorm. u. nachmittags ein paar Stunden auf. Das Fieber ist seit mehreren Tagen fort, der objektive Befund in Ordnung, die lokalen Empfindungen sind minimal. Der Appetit ist lebhaft, Schlaf mäßig. Die allgemeine Schwäche ist erstaunlich; ich bin auch - aus Respekt vor dieser Sache - sehr ängstlich. Aber der Frosch raucht nun wieder und ich sehe wieder auf das Nachbardach mit seinen merklichen Flakschäden.
Kurzrock hat wieder sehr sicher erkannt und mit den 4 Medikamenten vorzüglich gearbeitet. Er war 5 oder gar 6 mal da, niemals eilig. Gestern brach auch noch Sauerbruch ein, der zufrieden war, wofür er nächste Woche der Frau Henning den Kropf wegnimmt.
Ich habe die blauen Stunden noch im Fieberzustand mit Wohlgefallen wie kleine Pillen zu mir genommen (mit Dank zurück.) [Fuß] Wer ist Verfasser? Seine Frau Heidelbergerin? und danke
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| auch herzlich für Hafermark und Dextropur. Da keine Diät mehr vorgeschrieben ist (ich vermeide natürlich Gewürztes), so fehlt hier kein Artikel und ich wüßte beim besten Willen nicht, worum ich Dich schädigen sollte. Ein Liebesgabenpacket von unsrem Gesandten Wagner in Hsinking mit Reis und etwas Kaffee kam sehr erwünscht. Die Student(inn)en haben Marken gesammelt, viele Blumen geschickt, selbst Zigarren sind von verschiedenen Seiten gekommen.
Deiner liebevollen Pflege bedarf es nach der jetzigen Lage nicht. Wir wollen sehen, ob sie anhält. Ich wiederhole die dringende Bitte, daß Du Dich pflegst. Denn wir sind in eine neue Epoche eingetreten, von der man bei äußerstem Optimismus dichten kann, daß man doch noch einmal einige Zeit miteinander leben kann, was besser ist als miteinander quienen. Ich halte mich an den Gedanken Reichenau.
Vielleicht kann ich das Seminar noch am 19.II., spätestens 26.II. fortsetzen. Viele
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| werden dann fort sein (nach neuen Gesetz.) Es ist ja allgemeine Panikstimmung. Zu achten wird jetzt sein auf Spanien u. Türkei. Ich habe aus der Gegend Lüneburg so ein Blatt, wie es in Hofheim gefunden wurde, mit vielen Wahrheiten.
Die Korrekturen zum " Goethe" habe ich im Bett erledigen können. Aber ob das nun fertig wird? Frau Meinecke hat mich besucht; ihm geht es auch nicht prima.
"Vor dem Sturm" lese ich anscheinend anders als Du. Du bist wohl noch nicht am Ende. Aber F. will eigentlich sagen: das sind doch lauter klägliche Unternehmen, und die Haupttriebfeder ist der persönliche Ehrgeiz. Andre träumen in Romantik. So paßt es auch zu F., der, im Gegensatz zu heute, jedes falsche Heroisieren ablehnt. Militärische Könner haben es damals gemacht, nicht Stürmer.
Wenn Du morgen nach Dielbach fährst und es dort ist wie hier, so hast Du
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| das übliche schlechte Wetter.
Was hörst du von Günther? Wie geht es dem Walter Hecht?
Für heute wüßte ich nichts mehr als immer wieder Dank und die dringende Bitte, für Dich zu sorgen. Dies ist mir zentral wichtig, und so solltest Du es auch nehmen.
Herzliche Grüße von Susanne. Ich bin in täglichem innigem Gedenken
Dein Eduard.