Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. Februar 1943 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 17. Februar 1943.
Mein innig Geliebtes!
Deine Ausflüge nach Ober-Dielbach bringen für Dich und Groß-Europa regelmäßig schlechtes Wetter. Auch wir hier hatten Tage lang Sturm, allerdings bei großer Wärme. Heute allerdings ist [über der Zeile] es nur zu klar und still geworden - bei bedenklich leuchtendem Mond.
Hoffentlich hast Du keine Erkältung mitgebracht! Ich habe mit warmer Dankbarkeit Dein Liebesgabenpacket erhalten: die selbstgebackenen Vollmonde und das "Sonderherz", das ungewöhnlich schöne Weißbrot - und auch schon das Päckchen für den 19.II. Alles ist mit viel Freude teils verzehrt, teils in Verwahrung genommen worden. Bei so guter Verpflegung - auch Dextropur, Lebertran mit Apfelsinengeschmack und sogar Hühnchen aus Althof und Mecklenburg - mache ich gute Fortschritte. Die meisten Funktionen sind wieder normal geworden (bis auf den durch zu lebhafte Träume geschädigten Schlaf.) Ich bin heute das dritte Mal ausgegangen, darunter auch zum Friseur (sehr nötig!), und übermorgen werde ich das Seminar
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| wieder aufnehmen können. Mein sonstiges Arbeiten ist noch planlos und unbefriedigend.
Besucht haben mich Bernhard Schwarz, Arnold Bork, Wachsmuth (drei Leute, die als Lehrer von dem unverantwortlichen Kinderkreuzzug betroffen sind), - Meinecke, F. Imhülsen, Frl. v. Kuhlwein und (heute) Frau Biermann. So höre ich etwas von der Welt. Was die Welt von mir will, Vorträge der verschiedensten Art, habe ich ablehnen müssen. Jedoch will das hiesige Luftgaukommando, daß ich zu Offizieren über die Behandlung der "Jüngsten" sprechen soll, und das werde ich für den März wohl annehmen, weil es wichtig ist.
Bis heute bin ich erst nach dem Frühstück gegen 9 Uhr aufgestanden und habe nachm. 1½ Stunden, statt einer, gelegen. Der dünne Rotwein¹) [l. Rand] ¹) Eine Sendung aus München ist auf der Bahn gestohlen worden. So geht es jetzt vielfach. abends belebt etwas. Ich werde in der denkbar besten Weise gefüttert und geschont.
Gerade dabei fragt man sich natürlich, ob es einem nicht vergleichsweise zu gut geht. Aber man muß natürlich auf Entwicklungen gefaßt sein, die die ganze Kraft erfordern. Denn es geht unheimlich schnell zum Schlechteren. Es wäre ja nun ganz
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| gut, wenn der Rückzug fachmännisch geleitet würde. Frl. Jung hat einen Bruder im Kaukasus, von dem seit langem Nachrichten fehlen; er lag dort in einem Lazarett ............
Ich rechne nicht damit, daß Deine freundlich zugesagte Jagd auf eine Kaffeekanne Erfolg hat. Dann werde ich zum 19. ebensowenig ein Geschenk haben wie zum 25. Aber man könnte es ja buchstäblich nur stehlen.
Frau v. Glasenapp hat sich (ebenso wie Litt) einen Arm gebrochen und hat viel auszuhalten. Überhaupt - Krankheit ringsum. Ho. Henning leidet an schweren Furunkeln, und sie soll (wie ich schon geschrieben habe) durch Sauerbruch vom Kropf befreit werden, was sich aber um 14 Tage verschoben hat.
Da es jetzt 10¼ ist, will ich Schluß machen, obwohl ich noch nicht alles beantwortet habe. Aber alle Deine lieben Nachrichten habe ich doch in mich aufgenommen. Und so sind wir in steter naher Verbindung.
Nochmals Dank für die nahrhaften Gaben und alles Liebe. Viele Grüße von Susanne.
Innigst Dein
Eduard.