Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 23. Februar 1943 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 23. Februar 1943.
Mein innig Geliebtes!
Die freudige Helle, die einst über den Geburtstagen lag, ist seit langem vergangen. Aber in diesem Jahr ist der Ernst in allem so greifbar nahe, daß alle Wünsche, die ich für Dich aussprechen möchte, ihr doppeltes Gewicht und doppelten Nachdruck haben. Aber ich möchte sie nicht in Einzelheiten aufzählen - Du kennst sie, und ich müßte damit eine Fülle von bedrängenden Sorgen heraufrufen. Genug: wir wollen leben, gesund sein und in unsrem Sinn stark sein!
Das Resultat Deiner gütigen und schließlich erfolgreichen Bemühungen, dies Wunder also ist am 20.II. hier unzerbrochen angelangt, bestaunt und dankbar in Besitz genommen worden. (Die Emballage kommt zurück.) Ich hätte nun auch gern ein Wunder getan. Aber ich habe es - weil ich noch nicht beweglich genug bin - nicht einmal versuchen können. Die beiden Bücher also stammen aus vorhandenen Beständen. Deshalb habe ich nichts hineingeschrieben: es ist eben, wie alles, Ersatz. Mit meinem Buch
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| bleibst Du im Gebiet der Gefäße und Kaffeekannen. Susannes ist ein bißchen Pedant zu Gobert und wird dich an Blaubeeren vor 10 Jahren erinnern.
Bist Du auch gesund geblieben nach dem üblichen Ober-Dielbacher Sturm? (Ich erwidere die Grüße herzlich.) Meine Fortschritte sind gut; es ist kaum noch etwas zu spüren, so daß die Täuschung aufkommen konnte, ich sei auch zur Fortsetzung der Vorlesungen fähig. Aber so ist es doch nicht. Das Seminar ging gut. Es waren - von 70 im Anfang - doch noch über 40 zusammengetrommelt, und wenn ich erst in dem Kreise da sitze, dann vergesse ich alles andre und lebe nur in der Sache. Hingegen war der Sonntag ein bißchen angreifend: 6 Besuche. Vorm: 1 Ratsuchender, Arnold Bork, Frl. v. Glasenapp. Nachm: Generalmusikdirektor Beck (4 - ½ 8), Wenke (durchreisend 6¼ - 7½) Wachsmuth ½ 9. Natürlich hört man dann auch allerlei, muß aber ebenso natürlich vieles als erfunden wieder aus dem Bewußtsein ausscheiden.
Meinerseits habe ich an dem sehr rauhen Sonnabend Meinecke besucht, was immer tröstend ist, und gestern war der neueste 80jährige, Staatssekretär Dönhoff, bei uns.
<re. Rand> Diesen Augenblick ist die zweite ratsuchende Studentin zu erwarten. Hinterher aber ist es die höchste Zeit, dies Blatt einzustecken, wenn es übermorgen früh da sein soll. Deshalb fange ich kein zweites an. Einen Kuchen wirst Du zu Deinem Geburtstag nicht haben backen können, da Du alles Mehl etc. <li. Rand> an mich verschenkt hast. Wie wirst Du nun den Tag feiern? Ich muß in 2 Tagen ein geliehenes Buch von 500 Seiten lesen, das wichtig ist; sonst hätte ich schon früher zu schreiben angefangen. Also: ich komme bald wieder. Innigste Wünsche u. Grüße Dein
<Kopf>
Eduard.