Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. März 1943 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 19.III.43.
Mein innig Geliebtes!
Damit ich es nicht vergesse, beginne ich mit herzlichem Dank für das Weißbrot. Denn vergessen habe ich schon, nach den Kosten für die Kaffeekanne zu fragen. Daß ich sonst mit den Zahlungen im Rückstande bin, beruht auf technischen Umständen: nach dem Steuertermin mit seinen 2300 M (jedes Vierteljahr) ist im Moment nichts Flüssiges da. Hoffentlich kommst Du nicht in Verlegenheit?
Viel von Belang ist nicht zu erzählen. Die Goethe-Gesellschaft macht recht viel Arbeit. Der Schatzmeister Augstein tritt zurück, weil – er es nicht schafft. Vom Goethe-Kalender kann nur ⅓ der erforderlichen Exemplare geliefert werden, und dergleichen Freuden. Zweimal war Mittwochsgesellschaft, immer etwas nervös, wie ganz Berlin. Die Privatbibliothek v. Diels ist total verbrannt. Der General Beck ist von Sauerbruch (wie Lietzmann) operiert. Das lastet. Hingegen war ein Disput Sauerbruch contra Heisenberg-Spranger wieder sehr amüsant vorgestern. Frau v. Glasenapp ist mit ihrem gebrochenen Arm recht
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| alt geworden. Senzoku war da. (In Japan funktioniert es nicht so ganz.); ferner der Generalmusikdirektor Beck. Birkmeyer (Neffe von Frau Biermann) hat sein Examen vor dem Ausmarsch gut bestanden. In der Akademie bin ich noch nicht wieder gewesen. Ich lese viel, bin aber zu produktiver Arbeit noch nicht fähig. Auch hat die Testamentsgeschichte sehr viel Mühe gemacht. Nun kommt die Steuererklärung an die Reihe. Ich muß alles selbst schreiben; Frau Rosen ist noch nicht wieder verfügbar, - wenn sie überhaupt diese Tätigkeit fortsetzt. Und gerade jetzt ist sehr viel Post zu erledigen, z. B. die vielen Anfragen, ob man noch lebt. Ich werde daher heute, schon etwas ermüdet, nicht viel schreiben. Der Polizeipräsident scheint für morgen Nacht Beträchtliches zu erwarten; in Potsdam ist schon jetzt eine Art Panikstimmung.
Seit dem 1.III. hat es hier kaum einen Tropfen geregnet. Da es aber doch mal kommt, freuten wir uns, als unerwartet gestern früh Dachdecker bei uns antraten. Aber nachdem sie von uns Kaffee erhalten und gefrühstückt hatten, wurden sie wieder weggeholt: es sei ein Irrtum. In der Tat: an 1000 Stellen ist es nötiger. Sie haben aber wenigstens die Löcher provisorisch gedeckt.
Viel Erfreuliches gibt es also nicht zu berichten, <re. Rand> ausgenommen, daß die von Dir besorgten 3 Flaschen Elsässer Wein sehr gut geschmeckt haben, u. daß Suga 3 Flaschen Ungarwein geschickt hat, Faber gute Zigarren und Eier.
<li. Rand> Gewisse Lokalbeschwerden bei mir sind langsam im Abzug. Aber irgend ein Kraftüberschuß will sich trotz bester Versorgung nicht bilden. Frau Henning ist in Sauerbruchs Klauen.
<li. Rand, S. 1> Helfen die Augentropfen? Ist die Brille richtig? / Der Sturm heult bei hellstem Mondscheinwetter.
<re. Rand, S. 1> Es ist sehr gütig, daß Änne Ruge nach unserer Telefonnummer gefragt hat. Aber da im Ernstfall keine U-Bahn gehen wird, kann man sich gegenseitig nicht viel helfen. Das müßten Nachbarn tun. Innige Grüße
Dein Eduard.