Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. April 1943 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 29.IV.43.
Mein innig Geliebtes!
Vor Ostern bin ich nun doch nicht mehr zum Schreiben gekommen. Der Wettersturz am Sonnabend (nach dem herrlichen Karfreitag) hat mich ziemlich umgeworfen, und es kamen noch allerhand Ärgernisse hinzu. Am Gründonnerstag gingen wir mit Frl. Dr. Jung spazieren. Freitag Vorm. kamen Frankes nach langer Pause. Sonnabend war Beratung über einen Selbstschutztrupp unsres Blocks, in dem aber höchstens noch 8 Männer für allgemeine Zwecke verfügbar sind. In der Fabeckstr. 13 bin ich der einzige anwesende. (Einquartierung ist fort.) Hennings gehen in einen anderen Luftschutzkeller. Sonntag vorm. Konzert von Elly Ney [über der Zeile] nachm. Sabine. Montag Nachm. kam Frl. Koch. Dienstag waren wir zum 99. Geburtstag am Hügel von Riehl und danach bei Jenny. Mittwoch mit Meineckes bei Frau Petersen. Heute Spaziergang mit Günther (Prag.)
Von Hans Eris Busse habe ich jetzt alle 3 Bände mit immer gleichem Genuß zu Ende
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| gelesen. Ich bedauere, daß diese gute Abendgesellschaft aufgehört hat. Dem Vf. habe ich nach Freiburg einen Dankbrief geschrieben.
Was für eine Stiftung ist denn diese Engelstiftung und wie kommt sie zu diesem lobenswürdigen Beschluß? Meinen Glückwunsch!
Das ist eine traurige Sache mit Walter Hecht. Aber wenn früher nichts zu merken war, so kann es sich um eine schwere Kriegsneurose handeln, die bei geeigneter Behandlung auch wieder verschwindet.
Morgen habe ich die erste Sprechstunde. Am 5.V. beginnen die Vorlesungen. Außerdem soll ich am 13.V. im Auslands-Presse-Klub für Journalisten und Diplomaten einen Vortrag über Goethe halten. Die Entsendung v. Weizäckers an den Vatikan halte ich für bedeutsam. Ich kenne ihn seit Bern 1934 u. schätze ihn wie seine Gattin sehr hoch. – Emmy hat noch nicht geantwortet. Eulenburg hat gesagt, Frau Hartmann würde uns wieder nehmen. Aber das fände ich langweilig. Bei Prof. med. Munk, der in Sigmaringen geboren ist, habe ich neulich abenteuerlich edlen Wein getrunken u. eine gemütliche Stunde gehabt. Es fehlt mir sonst sehr an gleichaltrigem männlichem <li. Rand> Verkehr. – In den Nächten hatten wir Ruhe. Von Stettin (Marianne dort) verlautet Schlimmes. 321 Tote! Wir haben alle nur noch eine geborgte Existenz. Viel innige Grüße Dein Eduard.
[li. Rand] Hoffentlich vergesse ich nicht, auf Susannes Geheiß Bilder hinzuzufügen.
[li. Rand S. 1] Hast Du die Osterspaziergänge gemacht? Und wie geht's Frau v. Schöpffer?>