Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. August 1943 (Bad Freienwalde/Oder, Postkarte)


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14.8.43.   9. Hochzeitstag.  M. L! Gestern war ein ungewöhnlich anstrengender Tag: Um 6 aufgestanden, um ½ 8 nach dem Stettiner Bhf, dort 5/4 Stunden vor der Sperre unter lasttragenden Menschen; der schlimmste Moment, als sich die Masse in Bewegung setzte. Jeder kam in ein anderes Abteil, durchschnittlich 17 Menschen, aber viel mehr Gepäck; jeder mußte bis Eberswalde, d. h. mit Warten und Verspätung 2¼ Stunden eingeklemmt stehen. In Eberswalde – 2½ Stunden Aufenthalt – Mittagessen. Dann nach Freienwalde. Dort 3 Stunden Aufenthalt, bei dem hilfreichen Buchhändler Thilo. Schließlich um 6½ in 40 Min. hierher, wo wir sehr liebenswürdig aufgenommen wurden. Es stellte sich heraus, daß die Hausfrau die Tochter des Bezirksjugendpflegers Möller in Frkft/M. ist, mit dem ich 1926 die Tagung in Hattenheim gemacht habe. Hübsches Fremdenzimmer. Ida ist im Nebenhause untergebracht, dessen Besitzer Mitglied der Berliner Goethe-Gesellschaft ist. Das Werk ist ein Zweig von Mannheim-Waldhof. Es liegt jenseits der Oder, bei dem Städtchen Zehden. Gegend waldlos. Aber nicht ohne Reiz.
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In der Nacht vor der Abreise war noch 40 Min. Alarm. 2 Stellen, verkehrswichtig, sind getroffen worden. Am 12. traf ich einen Kollegen aus Mi-Ge, beim OKH tätig. Du wirst vom Dnjepr u. vom Abgang des neuen Italieners lesen. Meineckes sind fort, Wachsmuth geht mit Schule nach Lehnin. Hennings sehr bedrückt. Anderwärts weiß man wenig von Stimmung in Berlin, auch an der Front. – Kuhlweins in Freienwalde. Verbindung dorthin spärlich. Ich warte ungeduldig auf Nachrichten von Dir. Laufzeit rechne ich auf 3 Tage
<li. Rand>
Innige Wünsche u. Grüße Dein Ed.

[li. Rand S. 1] Es ist die Landschaft von – – "Vor dem Sturm." Vorläufig bin ich noch ganz erschöpft, gehe nur zum Essen aus. Es ist Regen u. Sturm.
[re. Rand S. 1] Schreibe immer Bad Fr./O. Es gibt ein anderes.